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| Ein Spaziergang durch Wien »Frühling in Wien« – das ist gerade nach einem so langen, trüben Winter etwas ganz besonders Erfreuliches. Also haben wir an den ersten lauen Tagen einen Streifzug durch die Bundeshauptstadt unternommen. Von Christa Mössmer (Text) und Michael Mössmer (Fotos) |
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| Teil 1: Vom Kahlenberg zur Rossauerkaserne | ||||||
Allem voran ein dringender Rat: Wenn Sie mit dem Auto nach Wien gekommen sind, lassen Sie es in der Hotelgarage! Wenn Sie Wien per Straßenbahn und Autobus durchqueren, haben Sie wesentlich mehr davon. Das öffentliche Verkehrsnetz ist wirklich hervorragend ausgebaut und Sie kommen überall hin. Die Wartezeiten betragen zwischen 3 und 7 Minuten, führen Linien zu entlegeneren Zielen, wie etwa zum Lainzer Tiergarten, dauert‘s dann ein klein wenig länger (15 bis 30 Minuten am Wochenende). „Die Stadt gehört Dir“, so lautet ein Werbetext der Wiener Linien – das stimmt: denn eine „24 Stunden Wien“-Karte kostet 5 Euro, „72 Stunden Wien“ 12 Euro pro Person und eine „8 Tage“-Karte kostet 24 Euro, wobei jeder der acht Streifen der letzteren für je einen Tag und Person gilt. Damit können Sie den ganzen lieben Tag lang sämtliche Straßen- und U-Bahnen, Autobusse und Schnellbahnen innerhalb Wiens beliebig oft benutzen. Die Karten sind in allen Vorverkaufsstellen, in vielen Automaten und in allen Tabaktrafiken erhältlich. Es erübrigt sich fast darauf hinzuweisen, daß unseren Weg Dutzende Wirts- und Kaffeehäuser, Restaurants und Konditoreien säumen, wo sie ihre müden Beine ausrasten und sich zur Stärkung lukullischen Genüssen hingeben können, um ihre Lebensgeister wieder zu erwecken. Den Damen sei noch empfohlen, bequemes Schuhwerk anzuziehen – und den Fotoapparat nicht vergessen! Nun kann‘s losgehen, bzw. kann losgefahren werden in der schönsten Stadt Europas. Als „Kind der Stadt“, wie schon der Dichter Anton Wildgans schrieb, kann ich das ruhig behaupten. Wahrscheinlich stimmen Sie mir, am Ende unserer kleinen Wanderung, auch darin zu. |
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Über die Serpentinenstraße schlängeln sie bedächtig hinauf und bei jeder Kurve erweitert sich immer mehr das Panorama von Wien. Die goldene Kugel, die an sonnigen Tagen heraufblinkt, gehört zu der von Friedensreich Hundertwasser künstlerisch gestalteten Müllverbrennungsanlage Spittelau. Am Kahlenberg genießen wir erstmals ungehindert den wunderbaren Blick auf die Stadt. Der Höhenzug, an den sich Wien anschmiegt, ist der Wienerwald, dem der Kahlenberg und auch der gegenüberliegende Leopoldsberg angehören. Der Wienerwald ist übrigens der nordöstliche Ausläufer der Alpen und gehört geologisch zur Flyschzone und weist viel weicheres Gestein auf als die Kalkalpen, weshalb sich die Donau ihren Weg zwischen dem Leopoldsberg und dem Bisamberg (übrigens auch bekannt für hervorragenden Wein) gegraben hat. Das Gebiet um den Kahlenberg wurde schon 1300 Jahre vor Christus besiedelt, was aber Archäologen erst 1935 durch Funde einer Urnenfelderkultur bestätigen konnten. Und erst 60 Jahre danach stieß man bei Grabungen auf eine keltische Siedlung aus dem 2. Jahrhundert (siehe Kasten). Der Kahlenberg, der einstmals Schweins- oder Sauberg geheißen hat, war Schauplatz bedeutender Ereignisse und ist untrennbar mit dem Jahre 1683 verbunden: Im Sommer dieses Jahres, genauer gesagt am 14. Juli, wurde Wien von den Türken unter Großwesir Kara Mustafa belagert. Dieser Krieg ist deshalb so bedeutend, da das osmanische Reich das ganze christliche Abendland vernichten wollte, das sich, angesichts dieser drohende Gefahr einte. Nachdem der päpstliche Legat Marco d´Aviano in der kleinen Kirche „St. Josef“ die Heilige Messe gelesen hatte, ging man an die Befreiung Wiens. Am 12. September 1683 konnten die Türken vom christlichen Entsatzheer unter König Johann III. Sobieski von Polen und Herzog Karl V. von Lothringen abgewehrt werden. Als Erinnerung an den Polenkönig wurde 1930 in der Sakristei die Sobieski Kapelle errichtet. Von Guido Panek stammt eine sehr detaillierte Geschichte der Kirche und des polnischen Ordens, die wir Ihnen gerne im Anhang empfehlen möchten. |
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Am Leopoldsberg angekommen gehen wir die Straße ein Stück aufwärts und wenden uns der ehemaligen Burg zu, die im 13. Jahrhundert errichtet, aber 1529 von den Türken (erste Belagerung Wiens) gesprengt wurde. Das von einer alten Mauer eingefaßte Areal entspricht in etwa dem Umfang der einstigen Burg. Wir durchschreiten zwei der noch erhaltenen Torbogen und befinden uns auf einem weiten Hof mit der Kirche, die ehemals Leopoldskapelle hieß, und einem gemütlichen Gasthofgarten. Ein paar Schritte hinter die Kirche führen auf eine kleine Terrasse, von wo wir einen wunderbaren Blick nach Klosterneuburg haben. Und was wäre eine Burg ohne einer Legende? Bei einem Spaziergang auf dem Leopoldsberg soll der Markgräfin Agnes, Gemahlin des Babenbergers Leopold III., dem Heiligen, vom Wind der Schleier fortgetragen worden sein. An der Stelle, an der dieses kostbare Tuch wiedergefunden wurde, soll das Stift Klosterneuburg errichtet worden sein. 1717 ist die heutige Kirche entstanden, ein frühbarocker Kuppelbau mit doppeltürmiger Fassade. Historiker sind sich uneins, denn auch sie beansprucht für sich, daß hier die bedeutende Messe vor dem Sturm auf die Türken gelesen worden sei. Kahlenberg oder Leopoldsberg, das ist hier die Frage. Doch überlassen wir das den Historikern. Wir haben hier sozusagen einen „Überblick“ das schöne Wien gewonnen und wollen wieder vom Olymp der Wiener hinabsteigen. Die Buslinie 38 A bringt uns zurück bis zur Heiligenstädterstraße, zu unserem nächsten Ziel. Denn dort befindet sich der weltberühmte „Karl Marx Hof“. |
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Unmittelbar vor dem „Karl Marx Hof“ besteigen wir die Straßenbahnlinie D. Nach etwa zehn Minuten, auf dem Weg zur Innenstadt, passieren wir den neuen Franz-Josefs-Bahnhof. Es ist über dem 1867 errichteten Bahnhof gebaut worden, von wo aus die Wiener bereits 1874 direkt nach Prag fahren konnten. In bitterster Armut der Zwischenkriegszeit hat hier übrigens Milena Jesenská – bekannt durch den Liebesbrief-Wechsel zu Franz Kafka – Koffer getragen, um sich am Leben zu erhalten. |
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„Wenn die Blätter auf den Stufen liegen herbstlich atmet aus den alten Stiegen was vor Zeiten über sie gegangen. Mond darin sich zweie dicht umfangen hielten, leichte Schuh und schwere Tritte, die bemooste Vase in der Mitte überdauert Jahre zwischen Kriegen. Viel ist hingesunken uns zur Trauer und das Schöne zeigt die kleinste Dauer.“ Die Stiege selbst wurde übrigens nach dem Hof- und Kammermaler Peter von Strudel benannt und aus Mannersdorfer Kalkstein erbaut. Am 29. November 1910 wurde sie feierlich eingeweiht. Feierlich waren für mich auch immer die jährlichen stattfindenden Singwettbewerbe der umliegenden Schulen, an denen ich im Volksschulalter selbst teilgenommen hatte. Im Juni, vor den großen Sommerferien, wenn das Wetter halt stimmte. Voller Inbrunst und mit großer Freude sangen wir. Wohl in Vorfreude, für zwei Monate aus den Fesseln der Schule befreit zu sein. Nach ein paar Minuten zu Fuß erreichen wir die Berggasse, wo sich das weltberühmte Sigmund-Freud-Museum befindet. Kurz darauf passieren wir einen großen Ziegelrohbau im Windsorstil. Die „Roßauer Kaserne“ entstand sozusagen als Ersatz für die Mitte des 19. Jahrhunderts geschliffenen Befestigungsanlagen, um nötigenfalls die Innenstadt verteidigen zu können.
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| Teil 2: Vom Schottenring zur Hofburg | ||||||
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erstellt am 12. 09. 04 © http://www.daswienerlied.at |
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