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| Liebe Leserinnen und Leser, hier entsteht – in unregelmäßigen Abständen – eine Zusammenfassung der Entwicklung unseres Wienerliedes. Wir beginnen mit der |
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| Zeit der Bänkelsänger Vorläufer des heutigen Journalismus? |
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Kann man sagen, daß die Bänkelsänger die Vorläufer unseres heutigen Journalismus waren? Warum nicht! Bedenkt man, daß Bänkelsänger mit Vorliebe nur "bad news" vermittelten, ergibt sich zumindest hier eine rechte Nähe zur Vorliebe vieler Zeitgenossen unter den Journalisten. Zu einer Zeit, als ein Großteil der Bevölkerung noch weder lesen noch schreiben konnte, gab es Männer und Frauen, die von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt zogen, sich auf den Marktplatz stellten und vor ein neugierig gewordenes und oft schon mit Sehnsucht wartendes Publikum hintraten und sich, um besser gesehen zu werden, auf ein Bankerl stellten. Daher stammt der Begriff "Bänkelsänger". Für die vorgetragenen Geschehnisse galt: je schauriger, desto wirkungsvoller. Hier ein Beispiel:
Sabinchen 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. |
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Auch wenn diese Vorträge meist nur zum Gaudium der Menschen diente, darf jedoch nicht vergessen werden, daß sie oft wichtige Neuigkeiten, ja sogar (halb-)amtliche Mitteilungen brachten, die den Menschen sonst nicht zugänglich gewesen wären. Unlängst erst hörten wir die Erzählung eines Südkärntners, der er als Bub noch erlebte, daß am Sonntag - meist nach der Messe - ein Mann vor der Kirche stand und die neuesten Gesetze vortrug, an die sich die Bergbauern zu halten haben. In diesem Fall ging es um um die unerlaubte Schnapsbrennerei(!). Wer sich dieses Vergehens schuldig machte, mußte mit einer hohen Geldstrafe rechnen. Interessanterweise soll dieser Vortragende gleichzeitig auch eine Art "Rechtsberater" gewesen sein, denn auf die Frage eines witzigen Bergbauern, "was, wenn ich das Geld nicht habe", soll der Kundige flugs geantwortet haben: "Dann geht´s halt ins Gefängnis für vierzehn Tage, das kommt euch billiger!" Doch im 17., 18. und 19. Jahrhundert, als man für ein Vergehen wie Diebstahl noch mit dem Abhacken der Hand zu rechnen hatte, wird ein Dieb wohl mehr darüber nachgedacht haben, ob er dieses Risiko eingehen soll. Oft wurde wohl die Frage gestellt, wie viele Menschen es in jener Zeit waren, die nur mehr eine Hand hatten. Wäre diese Strafe heute noch aufrecht müßten nach der aktuellen Kriminalstatistik weit mehr als über 200.000 Menschen einhändig herumlaufen oder gar kopflos. Der Bänkelgesang wurde vielfach sogar illustriert: Die Sänger trugen Tafeln
mit sich, die oft grell bemalt waren. Nun konnten die schaurigen Vorträge mit aktuellem, historischem oder
schaurigem Inhalt lauthals vorgesungen, vorgetragen werden, und die Menge erfuhr alles Wissenswerte über Morde,
Diebstähle, Raubüberfalle und darauf folgende Hinrichtungen. Natürlich hatten auch Naturkatastrophen
ihren Platz, vor allem die Brände und Überschwemmungen, die damals keine Seltenheit waren. Die Fratschlerinnen waren, ob sie nun Obstverkäuferinnen waren oder nicht, ein beliebtes Objekt für die damaligen Humoristen der Wiener Szene. Wer erinnert sich da nicht an das Musical "My Fair Lady" mit Audrey Hepburn als "Eliza" und Rex Harrison als exentrischer Professor Mr. Higgins in den Hauptrollen. Als Mr. Higgins Elisa "Geh wuuuuuuusch!" hören schrie, kam er auf die Idee eines wissenschaftliches Experiments, das durch eine ausgebildete Sprache aus dem ungebildeten Blumenmädchen eine Lady machen sollte. Aber wir können uns auch die Wiener Fratschlerinnen vorstellen, wenn es jemand wagte, das dargebotene Obst anzugreifen. "Krapl net des Obst an, entweder du kaufst deees oder ziagst ooh!" Was eindeutig war und keiner psychoanalytschen oder wissenschaftlichen Deutung bedurfte. Und Gott sei`s auch gedankt, daß sich auf den Wiener Märkten keine gelangweilten Professoren herumtrieben, denn unseren Humoristen wäre einiges entgangen, die Wiener gutturalen Laute von den Märkten verschwunden. Ihr Obst verkauften die Fratschlerinnen vor allem in der Nähe der Stadttoren, später
dann auf dem Naschmarkt und auf der Schanzel in der Nähe vor dem Rotenturmtor, wo sich der bedeutendste Obstmarkt
befand. Im 19. Jahrhundert übersiedelte der Schanzelmarkt vor den heutigen Ringturm am Schottenring, um die
Jahrhundertwende verschwand dann der Markt und mit ihm auch die letzten "Fratschlerinnen". "Ausfratscheln",
sagen wir ja heute noch, wenn jemand von uns etwas wissen will – und wir mit unserem Wissen partout nicht herausrücken
wollen.
Der Butterräuber von Halberstadt 2. 3. 4. 5. 6. 7.
Der Bänkelgesang hielt sich bis weit in das 19. Jahrhundert. CM |
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| Recherchequellen: Wiener Volksliedwerk Universität Mainz Geschichte des Bänkelsangs/Kulturvereine Kirchberg Historisches Lexikon Wien, Felix Czeike, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1992-1997 |
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erstellt am 18. 01. 05 © http://www.daswienerlied.at |
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