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| Im Kino: Herzausreisser. Neues vom Wienerlied | ||||||
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Zum Beispiel: Die "Pawlatschen AG" beim "Schmid Hansl" – im Bild Thomas Hojsa, Tini Kainrath und Doris Windhager |
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Das Wienerlied ist eine Herzensangelegenheit und ein Problem. Erblich erheblich vorbelastet
mit Kitsch und Heurigenseligkeit, Chauvinismus und Larmoyanz, hat es in zeitgenössischen Reinkarnationen wieder
zu seiner wilden, undisziplinierten Seite gefunden: Dann tönt es unverblümt und offen, komisch und hintersinnig,
poetisch und zart, düster und manchmal so traurig-schön, dass es einem das Herz zerreißt.
Die fragende Bewegung von Herzausreisser führt aber zuerst ein Stück weit in die Vergangenheit: Ins Nachkriegswien, in dem das Wienerlied als Teil der Alltagskultur noch präsenter war. Bald brachten Literaten wie H.C. Artmann das Wienerische - oder allgemeiner: Dialekt - in ihren Texten neu zum Klingen, unterstützt von kongenialen Interpreten wie Helmut Qualtinger. Und immer wieder (von Karl Hodina bis Kollegium Kalksburg und darüber hinaus) eröffnete die Begegnung mit, die Sehnsucht nach anderen Musikkulturen neue Zugänge zur Tradition vor Ort: "I tät zwoa gean in Chikago auf d' Wöd kumman sein, i bin owa in Wien auf d' Wöd kumma." (Roland Neuwirth) Das, wovon geredet wird, kann man in Herzausreisser auch hören. Das Wienerlied swingt. Es hat den Blues. Aktuell scheint man es bevorzugt mit lateinamerikanischen Einflüssen zu verschneiden. Interviewpassagen wechseln einander mit musikalischen Darbietungen ab. Keine aufs Stichwort verabreichten Häppchen, sondern vollständige Musikstücke. Die Kamera notiert Fingertänze über Knopfreihen oder auf Zitherseiten, das Mienenspiel der Sängerinnen und Sänger, das Nachgeben und Mitgehen der Körper. Hörbar wird gleichzeitig auch, wie das Intonieren des Wienerischen beim Reden und Singen zusammen hängen. Im Sprechen der Befragten genau so wie zum Beispiel in jener Szenenfolge, die an eine Lesung von H.C. Artmann aus der "schwoazzn dintn" mit der pointierten Vertonung des Textes durch Ernst Kölz (dem Komponisten der "Schwarzen Lieder" in den frühen 60er Jahren) anschließt:
Extase, Schmalz und Anarchie – Kommentar der Regisseurin Bei der Recherche für Herzausreisser habe ich dieses Bild dann gefunden - im Spielfilm "Schrammeln" aus dem Jahr 1944: Extatisch gesungenes Wienerlied, kollektiver Heurigenrausch, gemeinsames Weggetreten-Sein. Nun bildet es einen zentralen Punkt des Filmes, zu dem er sich hinbewegt, den er aber bald wieder verläßt. Heinz Conrads repräsentiert mit "I brauch kan Lido und kan Palazzo" noch ein Beispiel der schmalzigen Liedvariante, dann wendet sich die Erzählung in eine neue Richtung: Vincenz Wizelsberger vom Kollegium Kalksburg spricht von den Einflüssen Qualtingers, Kölz' und Artmanns auf seine Arbeit. Was mich selbst für diesen Film motiviert hat, findet sich in dieser Sequenz: Aufgewachsen auf dem Land mit Schwarz-weiß-Filmen der 40er und 50er Jahre, an Samstag Abenden durch Heinz Conrads-Sendungen sozialisiert und - nach meiner Ankunft in Wien - von H.C. Artmann und Helmut Qualtinger begeistert. Der Film oszilliert zwischen Biografischem und Musikalischem, bezieht beides aufeinander,
bindet es in einen historischen Prozess ein. Er ist eine Suche geworden, eine Begegung mit Musikerinnen und Musikern.
Was treibt sie an? Wie gehen sie mit der Tradition um? Was verbindet sie mit Wien? Die Künstler haben Zeit,
nachzudenken, während sie für den Film sprechen, gehen in die Tiefe ihrer Reflexion, lassen das Publikum
an Prozessen teilhaben. Sie erzählen zwar von ihren individuellen Zugängen, weben aber an einem gemeinsamen
Teppich.
Thematisch geht es um Inhalte und Formen der Wiener Populärmusik, um Fernweh und Hierbleiben, um Liebe, Tod und Alkohol, um männliches Selbstmitleid und Resignation. Es geht aber auch um: Schöne Instrumentalmusik, differenzierte Klänge, die Einflüsse des Slawischen oder die Bedeutung der Wiener Sprachfärbung für die Musik. Der Film streunt durch die Geschichte, er folgt den Spuren und Aneignungsweisen von Wiener
Populärmusik nach 1945. Die erste neue, auf das Wienerlied bezogene Komposition nach der Hochblüte des
Süßlichen im NS-Unterhaltungsfilm war von schwarzem Humor inspiriert. Ernst Kölz vertonte in den
frühen 60er Jahren Texte aus H.C. Artmanns "med ana schwoazzn dintn", Helmut Qualtinger interpretierte
sie - ein "trio congenial". Bald nach diesen "Anti-Wienerliedern" ließ der Akkordeonspieler
Karl Hodina Jazz und Blues in seine neuen Lieder einfließen und begann damit eine Renaissance des traditionellen
Wienerliedes. Seine erste Komposition war ebenfalls eine Vertonung eines Gedichtes von H.C. Artmann. Der Bogen
des Filmes spannt sich von diesen "Vorläufern" zu neueren musikalischen Versuchen wie jenen des
Kollegium Kalksburg, das anarchisch und wild mit der Tradition verfährt. Informationen: |
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| Seit 30.5. spielt der Film in folgenden Kinos: Wien: Filmcasino (Margaretenstr. 78, 1050 Wien, http://www.filmcasino.at) Village Cinemas Wien 3 (Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, http://www.cineplexx.at) UCI Millennium City (Wehlistraße 66, 1200 Wien, http://www.uci-kinowelt.at) und im Top Kino (engl.UT) (Rahlgasse 1, 1060 Wien, http://www.topkino.at) Graz: KIZ - Kino im Augarten (Friedrichstr. 24, 8010 Graz, T: 0316 / 8211860) Linz: Moviemento (OK Platz 1, 4020 Linz, http://www.moviemento.at) und ab 15.6 in Innsbruck: Leo Kino (Anichstraße 36, 6020 Innsbruck, http://www.leokino.at) |
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| Alle Fotos: Navigator Film | ||||||
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erstellt am 28. 05. 08 © http://www.daswienerlied.at |
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