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Wiener Blue(s) in der Kulisse

Am Abend des 26. März gab "Wiener Blue(s) ein Konzert. Peter Steinbach, Fredi Tezzele, Klaus Kofler, Heinz Jiras, Fredl Czech und ORF-Moderator und Entertainer Harry Prünster begeisterten wieder einmal das Publikum, das alle Plätze der "Kulisse" besetzt hatte. Nicht singen konnte diesmal Kammersänger Oskar Hillebrandt: eine Verkühlung hatte seine Stimme "ausgeschaltet".

"Heut‘ kommen d‘ Engerln auf Urlaub nach Wien" mit vereinten Kräften: Harry Prünster,
Fredi Tezzele, Peter Pernica, Klaus Kofler, Peter Steinbach, Heinz Jiras und Fredl Czech (v.l.n.r.)

Schon Wochen vor dem 26. März hieß es schon: "Leider ausverkauft" – "Schade, daß es dort keine Stehplätze gibt", war dort und da zu hören. "Wiener Blue(s)" hat sich – nicht zuletzt auch dank hervorragender Zusammenarbeit mit HR Max Edelbacher und Harry Prünster – zu einem Publikumsmagneten entwickelt. "Wiener Blue(s)", das sind Bandleader Peter Steinbach, Fredl Czech (Baßgitarre), Fredi Tezzele (E-Gitarre), Klaus Kofler (Percussions) und Heinz Jiras (Akkordeon). Letztere zwei sind übrigens mit dem steirischen Barden "Wilfried" in der Formation "4Xang" als Sänger (Baß und 1. Tenor) international unterwegs. Doch zurück zur "Kulisse".

Wie wenn "Wiener Blue(s)" beweisen müßte, daß man auch "echte" Wienerlieder im Programm hat, setzte der Abend mit "Heut‘ kommen d‘ Engerln auf Urlaub nach Wien" von Ferry Wunsch (zu seinen bekanntesten Wienerliedern zählt auch "Stellts meine Roß in' Stall") ein, einem Lied, das, so hört man, dem Tiroler Harry Prünster besonders gut gefällt. Aber auch Agent und Produzent Peter Pernica, ausgemachter "Wiener Blue(s)"-Freund, gab gemeinsam mit Prünster sein bestes, beide sangen nach Leibeskräften mit. Wenn auch "Wiener Blue(s)" ihrer musikalischen Linie treu bleibt, hörten wir – ebenso überrascht, wie begeistert –, den durch die damalige Kultband "Misthaufen" Mitte der 80er Jahre bekanntgewordenen Song "I bin da Schabernack…" (A. Lauber / A. Kraulitz, 1975 bei Sony erschienen).

Dann ließen sich Peter Steinbach und die vier Musiker, wie gewohnt, ganz in ihre Blues-Rhythmen fallen. Der Blues entstand übrigens in den Vereinigten Staaten des 18. Jahrhunderts und in jenem Umfeld, in dem Sklaven schwerste Arbeit leisten mußten: auf den Feldern, Plantagen, in Bergwerken usw. Wie vielfach in alten Hollywood-Filmen festgehalten, sangen sie auf den Baumwollplantagen zu den gleichförmigen Rhythmen des Arbeitsablaufes. Das half, Unfällen vorzubeugen, vertrieb auch ein wenig die harte Zeit der monotonen Schinderei. Inhalt war (und ist) die Ungerechtigkeit des Lebens, die jedoch nicht "bejammert", sondern nahezu emotionslos dokumentiert wurde – allerdings nicht ohne einen Funken Hoffnung auf Änderung der Lebensumstände. Wer das Wienerlied an sich kennt, weiß, daß hier inhaltlich ähnliche Vorausetzungen bestehen, wenn auch der Punkt mit den Emotionen fast gegensätzlich erscheint. Bei "Wiener Blue(s)" entsteht so eine wohlfeile Mischung aus Wiener Texten und Melodien und dem Ursprünglichen des Blues. Was dem Namen der Band nur mehr als gerecht wird.
     

Harry Prünster und Peter Steinbach

Soll nicht heißen, daß hier alles ernst "abgeht", nein, es gibt schon jede Menge zum Lachen und Schmunzeln in den Texten, die – mit besonderer Erlaubnis – auch von Josef Weinheber stammen. Sehr zum Gaudium des Publikums gab es dann auch noch "interkulturellen Austausch" auf der Bühne, als Harry Prünster seine Fähigkeiten unter Beweis stellte, "G‘schichterln" und Witze in typisch österreichischen Dialekten zum Besten zu geben. Der Versuch, Tirolerisches für Wienerlied-Texte einzusetzen und umgekehrt, forderte den Protagonisten einiges an Konzentration, den Zuhörern begeisterten Beifall ab. Faszinierend ist jedenfalls, daß Harry Prünster imstande ist, immer wieder – scheinbar neue Witze aufzutreiben. Doch, sollte man den einen oder anderen schon gekannt haben, er bringt sie so herzerfrischend, daß man dennoch darüber lachen kann. Ein kurzweiliger Abend alles in allem, der, wenn man in den daswienerlied.at-Terminkalender schaut, zumindest in ähnlicher Form auch in Zukunft miterlebt werden kann.

Miterleben kann man auch, mit ein wenig Glück, wenn Kammersänger Oskar Hillebrandt mit seinen Freunden Wienerisches singt. Hillebrandt ist auf den großen Opernbühnen der Welt zu Hause und hat durch Zufall "Wiener Blue(s)" kennengelernt, war damals – zwischen zwei Konzert-Terminen – von Köln nach Wien angereist, so hatte ihn deren Musik begeistert. Die Freundschaft hat sich vertieft, leider sind die gemeinsame Auftritte selten. Diesmal, in der Kulisse, wäre Hillebrandt gerne wieder gesanglich mit dabei gewesen. Leider hatte ihn aber am Abend zuvor seine gewaltige Stimme verlassen – und ließ nur ein ganz leises "Schade!" zu, bevor sich "Wiener Blue(s)" mit einem wunderschön instrumentierten "Aber Heidschi Bummbeidschi…" verabschiedete.

Genießen ihren Schlußapplaus: Harry Prünster, Klaus Kofler,
Fredi Tezzele, Peter Steinbach, Fredl Czech und Heinz Jiras (v.l.n.r.)

 

Fotos: daswienerlied.at

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erstellt am 18. 04. 07 © http://www.daswienerlied.at