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"Bilder aus Alt-Wien" beim Hiess

Einen wunderschönen Wienerliedabend zum Gedenken an Wiener Komponisten und Textautoren, die heuer ihren 100. Geburtstag feiern würden, boten Wienerlied- und Chanson-Sängerin Eva Maria Zirler, Roland Smetana am Akkordeon und Michael Hausner an der Kontragitarre im Gasthaus Hiess im 16. Bezirk.
Roland Smetana, Eva Maria Zirler und Michael Hausner

Roland Smetana, Eva Maria Zirler und Michael Hausner

Unter dem Motto "Bilder aus Wien – Altes und nicht ganz so Altes" boten uns das Schrammelduo Roland Smetana (Akkordeon und Gesang) und Michael Hausner (Kontraggitarre und Gesang) sowie Eva Maria Zirler (Gesang) einen wunderschönen (ohne Verstärker) leisen Abend zum Gedenken an einige Wiener Komponisten und Textautoren, die heuer ihren 100. Geburtstag (auch darüber oder darunter) gefeiert hätten. Sie waren Größen der Musikszene, die uns ein beachtliches, bleibendes Wienerlied- und Operettenkulturgut hinterließen.

Aus diesem Grund werden wir diesmal auch alle dargebrachten Lieder anführen, um vielleich Ihre Erinnerung ein wenig aufzufrischen. Amüsant und aufschlußreich – mit vielen vorhergegangenen Recherchen – moderierte Michael Hausner und brachte uns so manche Entstehungsgeschichte eines Liedes und über das Leben derer an die wir diesem Abend gedachten näher.

Der Abend begann instrumental mit der "Dornbacher Hetz" von Johann Schrammel (1850-1893), der dann mit Liedern von Josef "Pepi" Kaderka (1910-1993) seine Fortsetzung fand. "Der Dornbacher Pfarrer" (Komponist: Bruno Hauer), "A Glaserl mit an Henkel" (K: Franz Püttner), "I hab halt a Faible für Ober St. Veit" (K: Richard Czapek) und dem einst von Heinz Conrads gesungenen "Mein Vater ist ein Graf" (K: Bruno Hauer). Weiter ging es mit F. P. Fiebrich (1879-1935) und seinen unvergessenen Liedern "Wem unser liaber Herrgott a Herzerl hat g'schenkt", "'s größte Glück", "Bilder aus Alt-Wien"; dann kamen die schönen "A Moll-Tänze", als "Schmutzer-Tanz" vielleicht besser bekannt, von Johann Schmutzer (1913-1958), und wieder ein Lied von Fiebrich, zu dem uns Hausner erklärte, daß dieser eigentlich vorwiegend melancholische Grundtöne in seiner Musik hat, beim Lied "Solang no a süffiges Tröpferl gedeiht" (Text von Hans Weigel) doch mehr Optimismus einbrachte.
Eva Maria Zirler 

Eva Maria Zirler

Der nächste im Programm war Alexander Steinbrecher (1910-1982), 1. Kapellmeister des Wiener Burgtheaters, musikalischer Leiter des Kölner Rundfunks und Komponist vieler bekannter Singspiele, Lustspiele, Musicals, Filmmusik und Liedern, wie z.B. "Ich kenn ein kleines Wegerl im Helenental", "Zwischen Simmering und Favoriten".

Nach der Pause gab es wieder Instrumentalklänge mit Johann Schrammels Marsch "So geht's zua bei uns in Wean", dann "Amol geht's no" (Text: Josef Kaderka, K: Ferry Andree. Viele der Texte von Kurt Feltz (1910-1982) klingen uns im Ohr, so schrieb er, zum Beispiel, für Fred Raymond zusammen mit Max Wallner das Libretto zur Operette "Saison in Salzburg". Wer kennt nicht die "Gassenhauer" wie "Wenn der Toni mit der Vroni" oder "Salzburger Nockerln".

An Anton Karas (1906-1985), Komponist und Zithervirtuose, und seine wohl bekannteste Komposition, den Welterfolg "Harry Lime Theme" aus dem dem Film "Der dritte Mann" wurde gedacht: Michael Hausner brachte es so perfekt auf der Kontragitarre, daß man meinte, eine Zither herauszuhören.
Roland Smetana

Roland Smetana

Josef Fiedler (1898-1970) und Josef Petrak haben viele Lieder zusammen geschaffen, wir hörten "Mein Herz, das ist ein Bilderbuch vom alten Wien". Von Carl Lorens (1851-1909), Komponist, Librettist und Volkssänger, stammt – unter vielen anderen Kompositionen – das lustige Lied "A Blunzen und a Leberwurst". An die 3000 Titel hat er angeblich geschaffen und 2000 davon sollen veröffentlich worden sein.

Aus der Feder von Willy Jelinek, Komponist, und Karl Schneider (1885-1961 Volkssänger, Schriftsteller und Wienerlieddichter, stammt u.a. auch das bekannte und lustige Lied "Bruader, Frau Mutter, der Wein is an Luader". Wieder zurück zu Fiebrich ging es mit dem "Silbernen Kanderl" und weiter mit Hans Weiner Dillmann (1903-1990). Dr war der Komponist der Operette Operette "Mäderl vom Varieté", Kapellmeister im Kabarett "Hölle" und erster Mitarbeiter eines renommierten Musikverlages. Er schrieb Wienerlieder und Chansons, Musik zu Revuen ("Rund um die Litfaßsäule"), Lustspielen ("Geigen im Wienerwald") und weitere Operetten ("Ein Pusztalied", "Die Schauspielerin des Kaisers"). Insgesamt erreichte sein Werk die stattliche Anzahl von 800 Kompositionen. Publikumslieblinge wie Maria Eis, Maria von Schmedes, Magda Schneider, Wolf Albach-Retty, Peter Alexander, Vico Torriani, nicht zuletzt auch Walter Heider sowie viele andere mehr gehörten zu den Interpreten seiner Lieder.
Michael Hausner

Michael Hausner

Wir hörten von Eva Maria Zierler, die auch im Laufe des Abends gesanglich solo und im Duett mit Roland Smetana vertreten war, das einst von Heinz Conrads gesungene 27 Strophen umfassende Lied "Alles in Ordnung, gnädiger Herr". Sie gönnte uns sechs davon – alle 27 hätten den das Zeitlimit der Veranstaltung gesprengt.

Als Zugabe gab es noch ein Lied von Dillmann "Man sollt net älter wird'n" (T: Karl Savara) und gemeinsam mit Publikumschor endete der schöne Abend mit dem Lied von Willy Jelinek "Aber grebelt muaß er sein!" (T:Hans Rathauscher)

An zwei weitere Persönlichkeiten die an diesem Abend nicht im Programm waren, wollen wir im Gedenken an deren 100. Geburtstag erinnern: an den Komponisten, Textautoren und Musiker Friedl Szalat (1910-1997). Wer kennt nicht den Erfolgstitel "Geh Alte, schau min et so teppert an" oder das "Hagenbrunner-Lied". Prof. Theo Ferstl (1910-1981), Kapellmeister eines eigenen Ensembles, Arrangeur und Komponist, schuf, zum Beispiel, "Engel aus Wien" oder "Wiener Bonbonniere".

Faszinierend, wie lehrreich so ein großartiger musikalischer Abend auch sein kann!
 
Alle Fotos: daswienerlied.at/HSK  

HSK

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erstellt am 22. 04. 10 © http://www.daswienerlied.at