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Weihnachtsfeier beim XIIer Bund

Im Gasthaus Rudolf Hiess in die Koppstraße stand Unterhaltung mit Rita Krebs, Erika Kreiseder, Norbert Beyer, Franz Pelz, Karl Medek und Richard Pöttschacher auf dem Programm. Mit dabei: Luise Seitler und Günther Schneider am Klavier.
     

Rita Krebs auf der Bühne im Saal des Gasthauses Hiess in der Koppstraße 

Der "XIIer Bund" heißt eigentlich "Humanitärer Verein XIIer Bund ,Der Wiener Volkssänger und Artisten‘" und besteht zumindest seit dem 14. Juni 1893, was ein Vermerk in "den Akten der Vereinspolizei" belegt. Da es bis zu vorhandenen Vereins-Unterlagen ab 7. Februar 1908 keine Anhaltspunkte über die Vereinstätigkeit gibt, ist man auf die hochinteressante Arbeit des Autors Josef Koller angewiesen, der in seinem Buch "Das Wiener Volkssängertum in alter und neuer Zeit" [*] von einem gewissen Carl Hauser berichtet.

Hauser, gelernter Handschuhmacher, suchte nach Ableistung seines Militärdienstes ein neues Betätigungsfeld und fand es gemeinsam mit seinem Kriegskameraden und späteren Freund Heinrich Haders: Die beiden traten in Kells Etablissement "Zum Auge Gottes" (heute nur noch bekannt durch das Kino in der Nußdorfer Straße) auf. Sie hatten sich auf die Darstellung "urwüchsiger Figuren aus dem Volke" spezialisiert und erwiesen sich darüberhinaus als "treue Hüter wienerischer Weisen". Sie zogen das Publikum in Scharen an.

1891 soll Hauser dann den Plan gefaßt haben, einen Verein zu gründen. Die Anregung dazu kam von Ferdinand Posch, einem populären Kaffeesieder und Obmann des "Vereines der Urwiener". Zwölf Gründer fanden sich zusammen, um die Vereinigung "Zwölferbund der Wiener Volkssänger und Artisten" ins Leben zu rufen. Und, so heißt es in Josef Kollers Buch weiter, "alle Volkssänger von Rang und Namen rechneten es sich als Ehre an, dem XIIer Bund als Mitglied anzugehören und dort aufzutreten. Und das hat sich seither kaum geändert

Wenn wir also davon ausgehen, daß Hauser 1891 den Verein gegründet hat, zählte er zum Zeitpunkt dieser Weihnachtsfeier im Gasthaus Hiess [**] immerhin 104 Jahre. Einer, der – so unwahrscheinlich es auch klingen mag – beinahe alle dieser Jahre selbst erlebt hat, ist heute noch Mitglied des XIIer Bundes: der Volkssänger Richard Pöttschacher, der mit nach wie vor fester Stimme unlängst seinen 101. (!!) Geburtstag feierte.
     

Norbert Beyer, Erika Kreiseder, Luise Seitler, Karl Medek, Obmann Karl Rauchberger,
Rita Krebs, Günther Schneider und Franz Pelz (v.l.n.r.)

Pünktlich jeden Monat füllen sich Extra- und Gastzimmer im so urtypischen Vorstadtgasthaus, das – darauf sei ausnahmsweise hingewiesen – eine gute, urtypische Wiener Küche anbietet, wie wir‘s halt gerne haben: große Portionen zu "Vorstadtpreisen", gut eingeschenktes Faßbier und köstlicher Wein, der tags darauf die Erinnerung an die Wienerlied-Veranstaltung – und auch an sonst nichts trübt.

Diesmal hat XIIer Bund-Obmann Karl Rauchberger die Wienerlied-Sängerin Rita Krebs eingeladen, den gesamten Abend zu gestalten. Die wiederum lud Erika Kreiseder, Norbert Beyer, Franz Pelz, Karl Medek und Richard Pöttschacher ein, mit ihr gemeinsam Wiener- und natürlich, dem Kalender angepaßt, auch Weihnachtslieder zu singen. Günter Schneider begleitete am Klavier und Luise Seitler las, auf Bitten von Karl Rauchberger, selbstverfaßte Texte. Erika Kreiseder hatte ein paar Bücher mitgebracht, aus denen sie Texte von Anton Krutisch und Werner Lahner vortrug.
     
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[ *] "Das Wiener Volkssängertum in alter und neuer Zeit" – Nacherzähltes und Selbsterlebtes von Josef Koller; erschienen 1931 im Buch und Kunstverlag Gerlach & Wiedling, Wien I.

Im erweiterten Impressum steht zu lesen: "Ein Teil des Reinerträgnisses fließt dem humanitären Verein ,Zwölferbund der Wiener Volkssänger‘ zur Unterstützung alter, berufsunfähiger und kranker Volkssänger zu.
[**] Gasthaus Hiess, Koppstraße 23/11, 1160 Wien, 01 / 494 73 78    

     

erstellt am 07. 01. 06 © http://www.daswienerlied.at