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Spechtl & Spechtl haben den Wiener Blues

Die Brüder Spechtl boten im "Till Eulenspiegel" einen Abend mit Liedern über das Leben der Spieler, Trinker, Hurentreiber, der Wiener Pülcher und der Underdogs in den Städten Nordamerikas.
     

Die Brüder Rainer und Claus Spechtl im "Café Till Eulenspiegel"
Alle Fotos: daswienerlied.at

Der "Kulturverein Transdanubien" unter Leitung seiner Obfrau Marietta Wild steht für Kunst & Kommunikation. Er veranstaltet Lesungen, Konzerte, Theater, Kabarett, Matineen, Workshops, und Ausstellungen. Seit Ende August 1998 gibt es in Floridsdorf ein kleines aber feines "Spielhaus": das "Kulturkabinett" am Freiligrathplatz 6, wo der Verein auch seinen Sitz hat. Dort finden sowohl Lesungen, Ausstellungen und Weinverkostungen statt, allerdings, so Marietta Wild, wegen des Platzangebotes "nur" in kleinem Rahmen. Für größere Veranstaltungen wurden Partner gefunden, die den Verein dadurch unterstützen, wie die Familie Eschrich mit ihrer "Cafe & Cocktailbar Till Eulenspiegel" in der Donaufelderstraße 101 (Ecke Caminweg). Tagsüber ist es ein Café und bietet von Montag bis Freitag ein reichhaltiges Mittagsmenü, zwischendurch werden Snacks und kleine Speisen angeboten und am Abend verwandelt sich das Café in eine moderne Bar mit einer großartigen Auswahl an Cocktails, Longdrinks und Shots nach klassischen Rezepten, aber auch kreative Variationen. Zahlreiche Spirituosen ergänzen das Angebot ebenso wie verschiedene, gepflegte Biersorten und ausgewählte Weine.
 
Am Samstag, dem 25. Feber, hat Marietta Wild zwei hervorragende Künstler ins "Till Eulenspiegel" geholt. Unter dem Titel "Wiener Blues" gaben die Brüder Claus und Rainer Spechtl einen Abend mit Liedern über das Leben der Spieler, Trinker, Hurentreiber, der Wiener Pülcher und der Underdogs in den Städten Nordamerikas. Denn von diesem Leben erzählt der Blues, aber auch – verklärt durch Weinseligkeit und Todessehnsucht – das Wiener Lied. Beide Liedarten sind in diesem Programm gleichwertig und unverkitscht vertreten. Viele Parallelen sind zu entdecken. "Das Wienerlied wird zum Blues und umgekehrt", hieß es in der Ankündigung.

Versprochen, gehalten: Die Lieder im Programm der beiden Brüder reichen vom New Yorker "Piano-Man" Billy Joel über den Musiker und Schauspieler Tom Waits, von Bruce Springsteen bis zu Robert Johnsons Klassiker "Sweet home Chicago" (einem


Spielt, ja erlebt die Texte, die er singt: der
Schauspieler und Sänger Rainer Spechtl
der schönsten Blues überhaupt) André Heller, von "Dr. Kurt Ostbahn" und bis zu urtypischen Wienerliedern wie "Aber Hausknecht, mei´ Peitsch´n" oder "Wenn der Herrgott net will…". Und manchen Texte wechseln strophenweise vom Englische ins Wienerische, was der Sänger der beiden, Rainer Spechtl, schauspielerisch verstärkt. Kein Wunder, ist er doch ausgebildeter (Schauspielschule Krauss) und vielbeschäftigter Schauspieler, der schon während seiner Schulzeit als Sänger bei diversen Blues- und Jazzgruppen (u.a. mit Karl Ratzer, Peter Wolf und Christian Kolonovits) auftrat. Danach war er in verschiedenen Keller- und Mittelbühnen, u.a. am "Theater der Courage", der "Freien Bühne Wieden" (Topsy Küppers) tätig und wirkte bei zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit: "Mozart und Meisel", "Wenn das die Nachbarn wüßten", "Eis" (Max Ophüls-Preis 1989), "Capuccino-Melange", "Lipstick" (bester österreichischer Film 1994), "Azzurro" (1996), "Straße nach Istanbul" (1996), "Kaisermühlenblues" (1996, 1997, 1998), "Kommissar Rex" (1998, 1999, 2001, 2002), "Oh, Baby" (1999), "Julia" (2000, 2001), "Tom und die Biberbande" (2001). Seine Theaterengagements reichen vom Theater in der Josefstadt (u.a. in den Produktionen "Amadeus", "Der Feldherrenhügel", "Der Bockerer") über die Seefestspiele Mörbisch ("Wiener Blut"), zwei Theatertourneen ("Axel an der Himmelstür" - mit Dagmar Koller und Heinz Ehrenfreund, und "Das Dreimäderlhaus" - eine Produktion von Heinz Hellbergs Operettenbühne Wien) durch Deutschland und die Schweiz, eine Hauptrolle am "Deutschen Landestheater in Bozen", eine große Deutschlandtournee mit Shakespeares "Hamlet" in der Inszenierung von Jürgen Wilke, im Rock´n Roll Musical "Be - Bob A Lulatsch" im Wiener Metropol, Hauptrolle (Mr. Bumble) in "Oliver Twist" am Opernhaus Graz, "Westside Story" bei den Bregenzer Festspielen usw., usw.

So. Nun steht dieser gewichtige Schauspieler mit einer (nicht nur diesen) Raum-füllenden Stimme auf der kleinen Bühne im "Till Eulenspiegel", spielt, ja erlebt die Texte, die er singt, scheint nach jeder Nummer verausgabt, was sich aber als Irrtum herausstellt, denn schon mit dem nächsten Lied übertrifft er sich selbst. Dann, zwischendurch, zarte, ja fast zierliche Klänge, die wiederum abgelöst werden von einem Vortag, der an den wunderbaren Jacques Brel erinnert, diesen wunderbaren Chanconier, der – wie auch Rainer Spechtl – keine Chansons sang, sondern sie auf der Bühne lebte.
 
Claus Spechtl, der jüngere der beiden, begleitet seinen Bruder hochprofessionell und in absolutem Einklang, versinkt in, liebevollen, zierlichen, kraftvollen und ausdrucksstarken Solos, beherrscht seine beiden Midi-Gitarren ebenso wie die gute alte (Kontra-)Gitarre, die er auch am


Hochprofessionell und in absolutem Einklang mit seinem Bruder: Claus Spechtl
Konservatorium der Stadt Wien bei Julius Scheybal studiert hat. Ursprünglich hatte Claus Spechtl gar keine Musikerlaufbahn geplant, er beendete sein Mathematikstudium an der Uni Wien als mag.rer.nat. (Bruder Rainer studierte übrigens Psychologie). Später ist Claus gefragter freelancing Live- und Studiomusiker u. a. für Johannes Fehring, Rolf Kühn, Heinz Kiessling, Peter Keuschnig, Robert Opratko, Richard Österreicher Big Band, Orchester der Vereinigten Bühnen Wiens (LP/CD: Evita, Cats, Freudiana, Elisabeth), The 5ths Dimension, Peter Alexander, Dagmar Koller, Michael Heltau, Andre Heller (TV Aufzeichnung Flic Flac), Wolfgang Lindner Band, Karl Hodina, Toni Stricker, Paul Fields, Michael Starch, Harry Pirron/Mario Adretti, Salonorchester Alhambra usw. Daneben unterrichtet er auch zunächst im Franz Schubert Konservatorium und übernimmt die Leitung von Jazz-Seminaren in Scheibbs, Schloss Zeilern und im AIM (American Institute of Music). Seit 1988 leitet er die Gitarrenklasse der Abteilung VI (Jazz) am Konservatorium Wien.

Ansonsten ist Claus Spechtl vor allem in der Jazzszene u. a. mit Ed Neumeister (tb), Karl Ratzer, dem Robert Politzer Quintett, Hans Salomon "Vienna Big Band Machine" (Jazzfest Wien und "Jazz In" mit Toots Thielemanns), Zipflo Weinrich, Koolinger, New Orleans Funkprojekt (mit dem ex-miles davis bassisten Angus Thomas) tätig. Aber auch für eigene Projekte findet er Zeit, etwa mit "Blue Light District" u.A. mit guest artists Andi Weiss, Angus Thomas, Aaron Wonesch, Uwe Urbanovski, Martin Fuss, "Spechtl-Hodas-Weiss" mit Karol Hodas (b) und Andi Weiss (dr) und "Wiener Blues" und "Von New York nach Simmering" mit Bruder Rainer.
     
Was bleibt jetzt noch zu sagen? Ja, eines: Es ist faszinierend, zwei Musiker in so fast privatem Rahmen zu erleben, deren Bescheidenheit auf nichts von dem schließen läßt, was wir oben alles aufgezählt haben – weder was die eigenen Fähigkeiten, noch was die vielen Berühmtheiten anbelangt, mit denen die Brüder Spechtl aufgetreten sind!
     

   

MM

 
http://www.transdanubien.net
http://www.spechtl.com
http://www.tilleulenspiegel.at.tf
     
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erstellt am 03. 01. 06 © http://www.daswienerlied.at