Sie befinden sich hier: Das Wienerlied > Veranstaltungen  

Ihre MItteilung zu diesem Thema >>> 


Bombenstimmung auf dem Vulkan

Die Brigittenauer Operettenkonzerte genießen weithin einen Ruf als vorbildliche Pflegestätte der Wiener Musik und der Operette. Beim Herbstkonzert am 24 November 2011 standen diesmal jedoch mit Michael Jary und Herbert Jarczyk zwei Komponisten auf dem Programm , deren Lebensschwerpunkte eher Berlin, Hamburg oder München waren…
Yuki Nambu, Martine Plank, Melanie Wurzer und Thomas Schmidt

Yuki Nambu, Martine Plank, Melanie Wurzer und Thomas Schmidt

Die Brigittenauer Operettenkonzerte genießen weithin einen Ruf als vorbildliche Pflegestätte der Wiener Musik und der Operette. Beim Herbstkonzert am 24 November 2011 standen diesmal jedoch mit Michael Jary und Herbert Jarczyk zwei Komponisten auf dem Programm, deren Lebensschwerpunkte eher Berlin, Hamburg oder München waren. Doch schon nach den ersten am Klavier angeschlagenen Takten wurde klar, wie stark diese Musik auch im Wiener Publikum verwurzelt war und ist. "Das waren doch die Melodien meiner Kindheit und Jugend", war denn auch eine der am häufigsten gehörten Äußerungen der begeisterten Konzertbesucher. Vor allem Michael Jarys Musik stellt eine Mischung aus Gefühl, Erotik und Dreistigkeit dar. Viele Nummern sind so jung und belebend wie in jenen Tagen, da Jary sie komponierte. Aber Schlagerfreunde wußten das schon immer. Mit einem ebenso vielfältigen wie reizvollen und nachdenklich stimmenden Programm führten die Mitwirkenden in eine längst vergangene Welt, die alles andere als heil war. Man tanzte und steppte auf einem Vulkan, das aber mit ungebrochener Fröhlichkeit. Michael Jary trug seinen Teil dazu bei. Raffiniert an der Moderation des allseits geschätzten Moderators und Sängers Thomas Schmidt die Art und Weise, wie die einzelnen Beiträge zu einer größeren Geschichte verbunden werden und leicht ironisch parodiert der Glamour alter Revue-Filme wach wird.

In der 40er-Jahre- Melodienfolge unter dem Titel "Bombennächte" waren die immer noch beliebten Titel wie "Durch Dich wird diese Welt erst schön" oder "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" zu hören. Der Krieg und seine Folgen wurden nicht ausgeblendet. Nach 1945 ging es für Jary nahtlos mit Hits wie "Leise rauscht es am Missouri" oder dem "Mäckie- Boogie" weiter. Man war vor allem "Außer Rand und Band". Alle Mitwirkenden trugen zum Gelingen des Abends bei. Sie waren stimmlich und schauspielerisch eine Freude für Augen und Ohren. Vor allem die Sopranistin Melanie Wurzer und Tenor Thomas Schmidt gefielen in ihren Solo-Auftritten und Duetten. Das alles auf sicherem musikalischen Fundament.

Mit Beiträgen wie "Roter Mohn" oder "Das ist nichts für kleine Mädchen" zeigte Melanie Wurzer über welch wertvolles künstlerisches Potential sie, die junge Sängerin, verfügt. Thomas Schmidt bewies seine Wandlungsfähigkeit mit seinem geschmeidigen, höhensicheren Tenor, egal, ob es sich um Lied und Slowfox "Sing` Nachtigall sing" oder um Lied und Chancon "Ich geh meinen Weg allein" handelte .

Die interessante Schauspielerin Martina Plank nahm mit Sprechgesang von "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn" für sich ein und punktete, wie ihre beiden Kollegen, mit Charme und ausgeprägter Spielleidenschaft. Musikalisch erinnert wurde auch an Herbert Jarczyk, der nicht, wie sein berühmter Bruder, seinen Familiennamen änderte. Jarczyk, der im besten Sinne Gebrauchsmusik komponierte, wurde mit der Titelmusik für die Krimi-Reihe "Der Kommissar" in fast allen Ländern bekannt. In Anwesenheit seines Sohnes standen "Sternschnuppen", so eine Zusammenfassung seiner Beiträge, auf dem Programm. Da konnte auch die Pianistin Yuki Nambu auf ihr Talent aufmerksam machen. Zupackend mit dem unvergänglichen Kommissar-Thema und der mit lyrischer Leichtigkeit hingetupften Puszta-Romanze heimste sie viel Beifall ein.

Alles in allem: ein musikalisches Fest vom Feinsten in der Brigittenau. Alle Künstler waren eine Freude für Auge und Ohr. Nach diesem Abend war es am Ende nur logisch, daß sich die BesucherInnen beglückt und begeistert zeigten und die viele Zeit und Arbeit für die spielerische Perfektion dieser Veranstaltung mit Beifall und Bravos anerkannten.

Dieter Herrmann

zurück  

     

     

erstellt am 27. 12. 2011 © http://www.daswienerlied.at