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10. Wienerlied-Gala im Rathaus

"Wien und seine Künstler": unter diesem Motto stand die 10. Große Wienerliedgala, die, wie jedes Jahr bisher, im Prunksaal des Wiener Rathauses stattfand. Durch das Programm führte Günther Bahr, Programmgestaltung und Regie lagen in Händen von Prof. Walter Heider.

Kurt Landsmann begrüßt das Publikum – im Hintergrund: Angelika Treml, Herbert Schöndorfer und Victor Posöusny

Nur eine relativ kleine Auswahl an Künstlern kann Kurt Landsmann für die über fünf Stunden dauernde Wienerlied-Gala unterbringen. Wien hat nämlich auch viele junge Künstler, die sich dem Wienerlied verschrieben haben. In den 10 Jahren, die es diese Einrichtung bereits gibt, lernte man auch immer wieder neue MusikerInnen und SängerInnen kennen. Auf die Angestammten und allseits Beliebten will aber der Wiener auch nicht verzichten – und da hat der Präsident von "D' Echten Weaner" große Mühe bei der Auswahl. Trotzdem hat es Landsmann auch heuer, bei der Jubiläumssendung, geschafft, uns mit einer Elite an Künstlern zu verwöhnen. Kurt Landsmann begrüßte als Gast auch die ehemalige Landtagspräsidentin, Landeshauptmann-Stellvertreterin und Vizebürgermeisterin der Stadt Wien, Ingrid Smejkal (seit 21.2.2007 auch beurkundete "Bürgerin der Stadt Wien"), der diese Stunden sichtlich Freude bereiteten.

Am Tag zuvor gab es für den verstorbenen Dr. Helmut Zilk in diesem schönen Saal eine Gedenkfeier. Das bedrückte uns Wiener schon, denn der Großteil von uns mochte diesen ehrlichen Poltergeist, der das Herz am rechten Fleck hatte. Die Gedenkminute für ihn war mehr als angebracht.


Gefühlvoll wurde diese 10. Wienerlied-Gala von Angelika Treml auf der Violine, Herbert Schöndorfer am Akkordeon und dem Allrounder Victor Poslusny an der Bassgitarre, eröffnet. Sie begleiteten an diesem Tag souverän zusätzlich viele der auftretenden Künstler. Das spricht für sie. Ich für meinen Teil freue mich immer, wenn diese Musiker in dieser Formation auftreten. Günther Bahr als Moderator zu wählen war mit Sicherheit die einzige Möglichkeit, das Stammpublikum bei Laune zu halten. So viele Jahre im Rundfunk tätig, kennt ihn natürlich jeder im Saal und er führte locker durch's Programm. Wolf Frank ist ein so fixer und allseits beliebter Bestandteil, daß die "Nachfolge" doch etwas heikel war (Frank hatte früher als Moderator durch den Nachmittag geführt). Milde gestimmt waren wir deshalb, weil wir wußten, daß Wolf Frank heuer als Stimmenimitator auftrat und wir dadurch nicht auf ihn verzichten mußten.

Den Reigen der Sänger eröffnete Prof. Walter Heider, der auch regelmäßig bei den diversen Ehrungen der Wiener Bevölkerung mit Papa Bilek für die musikalische Umrahmung sorgt und der an diesem wichtigen Wienerlied-Tag "Regie führte".

Gleich zu Beginn stellte Sabine Mach einen kaum zu überbietenden Höhepunkt dar. Diese Stimme, diese Ausstrahlung, dieser Charme, diese Herzlichkeit! Wer sie schon einmal als Schauspielerin gesehen hat, weiß, daß sie auch hier ihren Weg machen wird – Können eben, gepaart mit Talent. Die passende Begleitung für sie war die Prof. Leopold Grossmann-Combo, die mit viel Feingefühl die Stimme der Künstlerin zart unterstrich.

Durch das Programm führte Günther Bahr…

… Programmgestaltung und Regie lagen in Händen von Prof. Walter Heider

Hannes Schlader und Fritz Oslansky sind schon lange Zeit ein Duo und wenn Fritz Oslansky seinen Fiakerhut aufsetzt und die dazupassenden Lieder gesungen werden, dann fühlen auch wir alle, daß das hier das urtypische alte Wien ist, das uns in Erinnerung gebracht wird. Hannes Schlader kennen wir noch von den Bambis, aber wie man hört, liegt ihm offensichtlich auch diese Schiene.

Treml, Poslusny und Schöndorfer begleiten auch Uli Wehofer, der mit viel Gefühl Lieder mit sehr nahegehenden Texten singt – damit hatte er auch beim Publikum große Sympathien.

Prof. Marika Sobotka legte schwungvoll los und war förmlich nicht zu bremsen. Bei ihr war jede Faser ihres Körpers in Bewegung und sie riß das Publikum vom ersten Augenblick an mit. Es wurde mitgeklatscht und die Sängerin war in Höchstform! Instrumentale Unterstützung gab es wieder von den drei oben genannten Musikern. Auch Herbert Sobotka ließ uns nicht im Unklaren, daß er Wien und das Wienerlied von ganzem Herzen liebt. Auch im Duo bekannten sich die beiden zu Wien und seiner Musik. Sie harmonierten wie in alten Zeiten als Paar, sind beide verheiratet, doch jeweils mit anderen Partnern. Der Musik hat es nicht geschadet!

Die Stimme von HPÖ – "Heider Poldi Österreich" hat mit Sicherheit eine schöne Singstimme, aber er zieht Heiteres vor – und liest selbst geschriebene Reime. Die sind an sich sind schon hörenswert; seine Mimik dauz spricht Bände und bei den Pointen klatschen sich die biedersten Gäste auf die Schenkel. Ich kenne die Geschichten; ich habe die Bücher; aber wenn HPÖ sie vorträgt, ist das doppeltes Vergnügen.

Horst Chmela singt drei seiner neuen, sehr besinnlichen Lieder, bei denen das Publikum sehr aufmerksam zuhört und großen Gefallen daran findet. Begleitet wurde er von Roman Sillipp am Klavier und Vladimir an der Gitarre.

Ganz elegant das Trio Wien im Smoking. Wir spüren das Gefühl für den Swing. Wir genießen den Wohlklang ihres dreistimmigen Gesangs und das hervorragende Zusammenspiel von Gitarre, Kontrabass und Akkordeon. Dass sie es auch deftiger können, haben sie auf der Donauinsel bewiesen. Ein tolles Gespann: Fredi Gradinger, Hans Radon und Franz Horacek (letztere spielen häufig mit Erich Zib auf der "Vindobona").

Fredi Gradinger und Rudi Koschelu machen sich bereit, denn nun kommt Christl Prager und da heißt es, alles aus den Musikinstrumenten herauszuholen, was möglich ist. Wir lieben die unverwechselbare Stimme dieser Sängerin und wie auch sonst immer, erfüllt sie all unsere Erwartungen. Schade, es bleiben zur Erinnerung nur die Tonträger! Heute wird sie ihren Abschied von der Bühne bekanntgeben. Als es soweit ist, gibt es vom Publikum Standing Ovations.

Kurt Strohmer ist zwar nicht zu übersehen, jedoch am Flyer kann ich auch ihn nicht entdecken. Sofort vermisse ich Gerry Kenroh. Die zwei Hünen haben schon am Donauinselfest als "XLarge Company" ihre Fans begeistert. Kurt Strohmer hat natürlich auch im Alleingang dem Publikum gezeigt, was er drauf hat , aber ich bin scheinbar ein Gewohnheitstier.

Deshalb freut es mich auch, dass auch heuer wieder Ingrid Merschl - wie immer passend im Dirndl und so das typische Wiener Mädel verkörpernd - mit ihrer erfrischenden Art, die längst vergessen geglaubten alten Wiener Weisen ausgräbt. Das bringt ihr große Sympathien der älteren Generation.
     

Ein Blick in den vollbesetzten Saal des Wiener Rathauses

Eingeweiht war wahrscheinlich Victor Poslusny, als sein Partner, Rudi Luksch, der regelmäßig beim Schmid Hansl zu hören ist, von seiner Plattenfirma eine "Goldene Schallplatte" überreicht bekam. Sichtlich gerührt, aber doch sehr erfreut, nahm der Vollblutmusiker diese Ehrung entgegen. Ist schon eine bleibende Erinnerung für die Nachfahren! Auch alle Anwesenden gratulierten mit langanhaltendem Applaus. Nun war Lachen und Staunen an gesagt: Nicht nur, daß Wolf Frank die Späße so nebenbei aus dem Ärmel schüttelt, erstaunt er uns auch mit einer Geschichte, wo sich ein Dialog zwischen uns bestens bekannten Größen mit markanten Stimmen ergibt. Wolf Frank ist ein Stimmenimitator par Excellence. Zusätzlich hat diese Geschichte auch noch eine überraschende Pointe. Er ist ein Stimmwunder, dieser Mann. Das war der Spaß, den das Publikum brauchte. Der Künstler tritt übrigens öfter im Währinger Gewölbe auf. Da es schon relativ spät war, lichteten sich die Reihen schon etwas.

Um 19:30 ist es doch schon ziemlich dunkel und als älterer Mensch fühlt man sich dann nicht mehr so wohl. Dadurch entging einigen Frühaufbrechern der Auftritt von Prof. Karl Hodina und Rudi Koschelu. Wir hörten drei seiner beliebtesten Lieder und das Publikum verehrt ihn dafür.

Walter Hojsa und Kurt Schaffer schaffen es, nun nochmals unsere Lachmuskel zu strapazieren. Dabei macht dieses Duo großartig Musik, aber die trocken hervorgeschnarrten Witzchen von Kurt Schaffer verfehlen nie ihre Wirkung und wir genießen diesen Mann. Bitte achtet auf Euch, damit Ihr uns noch lange erhalten bleibt!!!

Den Abschluss bildet ein Duo mit Christl Prager und Walter Heider. Sie verabschieden sich mit schönen alten Wiener Weisen. Und wer von den Künstlern noch anwesend war, kam auf die Bühne und sang im Chor mit. Übermütig stimmte das Saalpublikum mit ein, als Horst Chmela, gar nicht wienerisch – oder doch? – anstimmte: "Mir san a Weltpartie…"

Dieses Aufgebot an Künstlern war wieder einmal "a Weltpartie"! Bis zum nächsten Jahr, Kurt Landsmann!
 

Text und Fotos: Helga Schenk

     
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erstellt am 01. 12. 08 © http://www.daswienerlied.at