Sie befinden sich hier: Das Wienerlied > Veranstaltungen  

Ihre MItteilung zu diesem Thema >>> 


"Wiener Halbwelten"

Der wunderschöne Jugendstil-Raum im Café Prückel am Stubenring ist regelmäßige Heimat gepflegten Wienerliedes.
     

Agnes Palmisano und Roland Sulzer im Jugendstil-Raum im Café Prückel

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, am 25. Dezember 1903, eröffnete der ehemalige Radrenn- Europameister Maxime Lurion am Parkring ein Kaffeehaus in dem erst ein Jahr zuvor von J. Gartner erbauten Büro- und Geschäftshaus am Stubenring Ecke Dr. Karl-Lueger-Platz. Lurion hätte keinen besseren Standort für sein Lokal finden können: direkt gegenüber dem Stadtpark und dem heutigen Museum für angewandte Kunst (MAK) wurde es bald beliebte Stätte für alle Schichten des Bürgertums. Mitte des Jahrhunderts entstand, wofür das "Café Prückel" heute berühmt ist: ein Ringstraßen-Café im Stil der 50er Jahre. Dieser Tradition ist Familie Sedlar bis heute treu geblieben und legt großen Wert darauf, ein Wiener Kaffeehaus im ursprünglichen Sinne zu erhalten. Das äußert sich in der gepflegten Wiener Küche, den täglich hausgemachten frischen Mehlspeisen, der Auswahl an internationalen Tageszeitungen, dem (obligatorischen) Glas Wasser zum Kaffee, der Klavierbegleitung (Montag, Mittwoch und Freitag, 19-22 Uhr) und einem sonnigen Schanigarten im Sommer.

Noch ein interessanter Hinweis zum "Café Prückel": Schon kurz nach dessen Gründung wurden im Souterrian des "Lurion", wie es bis 1905 noch hieß, Kabarettveranstaltungen angeboten. Aus dieser Tradition entstand unter der Federführung der Schauspielerin Stella Kadmon, dem Autor Peter Hammerschlag, dem Zeichner Alex Szekely und dem Musiker Fritz Spielmann die erste zeitkritische Kleinkunstbühne "Der liebe Augustin". Anfang der 70er Jahre zogen in diese Räumlichkeiten dann die "Original Pradler Ritterspiele" und setzte dort Tausende Enthauptungen in Szene.

Zur neuen Attraktion wurde der Mitte der 80er Jahre unter Aufsicht von Prof. Johannes Spalt, Professor für Architektur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, in seinen ursprünglichen Jugendstil zurückversetzte hintere Raum des Lokals. Und dort finden regelmäßig Wienerlied-Abende statt, die meist von Agnes Palmisano und Roland Sulzer bestritten werden.

Wer so ins Wienerlied vernarrt ist, wie wir, den freut es erst einmal, daß eine Viertelstunde vor Beginn der umsichtige Kellner versucht, noch für vereinzelte Sitzplätze zu sorgen. So gefragt ist (auch) diese Veranstaltungsreihe, deren Termine unter dem Titel "Wiener Halbwelten" in unserem dwl-Terminkalender zu finden sind.

Agnes Palmisano, Christian Tesak, Martin Blazek und Roland Sulzer

Es herrscht familiäre Stimmung, auch wenn der Auftritt von Agnes Palmisano und Roland Sulzer von freudigem Applaus begleitet wird. Ein eher kleines Eckerl ist den Künstlern zugestanden, dafür können aber ein paar Freundinnen und Freunde des Wienerliedes mehr zuhören. Der Dritte im Bunde, der Kontragitarrist Peter Havlicek, ist diesmal nicht dabei, erzählt Agnes Palmisano. Nicht, daß man sich beim erst wenige Tage zurückliegenden Auftritt in Südamerika zerstritten hätte. Nein, er ist bereits zum nächsten Termin vorausgereist, diesmal per Bahn, und nach Paris. Wohin sie dann per Flugzeug nachreisen würden. Später.
     
     
Und die "Not" wird zur "Tugend", wenn die für diesen Abend geladenen "Special Guests", Christian Tesak und Martin Blazek, kurz "Duo Tesak und Blazek", nicht nur ihr eigenes Programm bieten, sondern gleich mit Agnes Palmisano und Roland Sulzer gemeinsam musizieren. Wir hatten uns schon ein wenig gewundert, warum noch, bis wenige Minuten vor Beginn des Programms, geprobt wurde! Dann wußten wir warum: Die vier hatten noch nie zuvor miteinander musiziert. Das hätte aber wohl keiner der Anwesenden angenommen, hätte man es uns nicht erzählt. So harmonisch war dieser seltene Klangkörper, teils ernst, teils verspielt, teils witzig, jedenfalls professionell.
 
Agnes Palimsano hat das Gesangsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien abgeschlossen, arbeitet mit Gerhard Bronner zusammen und gilt auch als jüngste praktizierende Expertin des "Wiener Dudlers", einer Mischform von Jodler und Koloraturgesang, in der ihr "Altmeisterin" Trude Mally eine hilfreiche Stimme bot. Auch wirkt sie bei Opern- und Operettenproduktionen u.a. an der Wiener Volksoper mit.

Über Roland Sulzer weiß man nicht allzuviel, bis auf zwei Tatsachen: 1., daß er einer der absoluten Profis am Akkordeon ist, Hunderte Wienerlieder verschiedener Generationen auf Zuruf und in jeder gewünschten Tonart beherrscht und 2., daß er so bescheiden ist, daß man eben nicht mehr von ihm weiß. Vielleicht gibt er uns einmal ein Interview für daswienerlied.at.

Nun kommen wir zu Christian Tesak und Martin Blazek. "Nein, das sind keine Künstlernamen. Wer in Wien Tesak und Blazek heißt, braucht kein Pseudonym", erklären die beiden anläßlich einer kurzen, verbalen Vorstellung beim Publikum im Café Prückel. Alteste und neueste Wienerlieder singen sie und begleiten sich mit Knopfharmonika und Kontragitarre. Auch ihr Repertoire ist reichhaltig, bringen sie doch sowohl Stücke aus den "Kremser Alben", als auch eigene Kompositionen mit eigenen Texten. Titel wie "Du bist so fesch wia a roter Sock‘n in der Wäsch" zeugen von der Lebens- und Musiklust der beiden jungen Musiker.
 
     

Alle Fotos: daswienerlied.at

zurück  

     

     

erstellt am 06. 12. 05 © http://www.daswienerlied.at