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Weihnachtskonzert im Amtshaus Brigittenau

Der "Verein zur Pflege und Förderung der Wiener Musik" veranstaltete im Amtshaus Brigittenau ein wunderschönes Weihnachtskonzert mit den beiden Debütantinnen dieses Abends, Cordula Donner und Julia Fürst. Zum ersten Mal widmeten sie sich der gehobenen Wiener Musik und dem Chanson. Thomas Schmidt, er packte jedes Lied in eine kleine schauspielerische Szene.

Cordula Donner, Thomas Schmidt, Margit Fussi und Julia Fürst (v.l.)

Vielleicht ist es eine altmodische Vorstellung, daß weihnachtliche Veranstaltungen festlich und sentimental sein sollten. Zumindest sollten sie sie sich nicht in der Verachtung für das Programm erschöpfen. Seit Jahrhunderten ist der Dezember im christlichen Europa mit dem Advent verbunden, der freudigen Erwartung des Weihnachtsfestes.

In der Brigittenau wissen die Verantwortlichen, was sie ihrem Publikum schuldig sind. Nicht nur allseits Bekanntes, fast Vergessenes und Nachdenkliches wird geboten. Das ist vor allem dem künstlerischen Leiter der Brigittenauer Konzerte, Thomas Schmidt, zu danken. Er überrascht immer wieder mit neu interpretierten, in Archiven gefundenen und gründlich entstaubten Werken. Das wird von den Besuchern honoriert .Der Zuspruch war auch diesmal so groß, daß die Plätze kaum ausreichten.

"Anything goes" ist in der Kunstwelt ein durchaus geläufiger Slogan. Dem längst bekannten Zusammenhang zwischen Kunst und Kommerz können von Könnern Glanzlichter aufgesetzt werden. Das wurde erneut bestätigt.
 
 

Theo Ferstl's Tochter Tina Steinbauer mit ihrem Lebensgefährten Prof. Helmuth Froschauer und Begleitung

Margit Fussi und Clarissa Henry, der Tochter von Einzi Stolz

Außer dem als Tenor und Rezitator fungierenden Thomas Schmidt waren es die Pianistin Margit Fussi und die Sopranistin Cordula Donner und die Mezzosopranistin Julia Fürst, die ihr Debüt für das Wienerlied und Chanson in der Brigittenau gaben. Es versteht sich von selbst, daß es sich um Profis handelt, die ihr Handwerk verstehen, gleichzeitig aber mit Herz und Einsatz so agieren, daß das Publikum mitgerissen wird. Exzellent vorgetragen die
Unter den Ehrengästen: Clarissa Henry, die Tochter von Einzi Stolz, Tina Steinbauer, Tochter von Theo Ferstl mit ihrem Lebensgefährten Prof. Helmuth Froschauer, Louise Seitler (Text- aurorin und Gönnerin des Wiener- lieds) Mag. H. Biegenzahn, Hedy Slunecko-Kaderka und, nicht zuletzt, eine Abordnung der Bezirksvorstehung – "Kultur des 20.Bezirkes".
sarkastischen, witzigen und inhaltsschweren Texte, die von Loriot, Ludwig Thoma, Annette von Droste Hülshoff bis Josef "Pepi" Kaderka mit seinem "Auf dem Weihnachtsbaum…" reichten. Fast vergessen geglaubte Texte wurden wieder lebendig. Allerdings ist dies eine Reminiszenz, die durchaus vom Geburtsjahr abhängt. Auch musikalisch wurde diese hoch angelegte Meßlatte beibehalten. Cordula Donner konnte mit ihrem leicht perlendem, weichem Sopran überzeugen und machte mit tragenden Piani, sicheren Spitzentönen und effekvollem Crescendo auf sich aufmerksam. Mit dem Ave Maria von Robert Stolz beglückten und erschütterten Cordula Donner und Thomas Schmidt ihr Publikum und entließen es nachdenklich in die Pause.

Julia Fürst verfügt über einen voll ausgereiften, hervorragend fokussierten, resonanzreichen dunkel timbrierten Mezzo. Auch sie zeigte mit ihrem beachtlichen stimmlichen Potential schauspielerisches Talent.

In allen musikalischen Beiträgen wurden mit treffenden Requisiten ganze Geschichten erzählt. Bei Cordula Donner gefielen vor allem die Stolz-Weise "Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit" und das Foxtrott-Lied "Schneeflocken" von Albert Bachrich. Julia Fürst erntete viel Beifall mit "Liab und herzig" von Theo Ferstl und einem italienischen Wiegenlied. Seine Vielseitigkeit stellte erneut Thomas Schmidt mit "Wo einmal nichts war" von Charly Niessen und "Der Gruß aus Bethlehem" von Weinberger unter Beweis.

Beim Finale mit "Die Glocken der Weihnacht" von Lothar Steup kamen die drei nur nach einem Dacapo von der Bühne. Zuverlässige, elegante und flüssige Begleitung bot Margit Fussi am Flügel war – eine beeindruckende Leistung! Hervorragend war der von Franz Lehar komponierte Weihnachts-Walzer für Klavier. Er sollte nicht nur zur Weihnachtszeit gespielt werden!.Es stellte sich ein Glücksgefühl ein, weil erlesene Klangkultur, Disziplin und Musizierfreude die Veranstaltung im Rahmen der "Brigittenauer Adventskonzerte" unter dem Titel "Und wieder ist`s Weihnacht" Musik und Literatur für die stillste Zeit des Jahres" auszeichnete. Ehrliche Begeisterung und dankbare Anerkennung waren der Lohn.

Dieter Herrmann
Journalist
Hartwigstraße 53
D-28209 Bremen
didih@kabelmail.de

     
Cordula Donner wurde in Wien geboren, wo sie auch ihre musikalische Grundausbildung erhielt. Unmittelbar nach der Matura begann sie ihr Studium im Hauptfach Sologesang am Konservatorium der Stadt Wien bei Prof. Margaret Zimmermann. Paralell dazu belegte sie am selben Institut die Opern- und die Operettenklasse bei Prof. Lucia Meschwitz und Prof. Christian Pollak. In sämtlichen Fächern diplomierte sie mit Auszeichnung. Zu ihrem Repertoire als lyrischer Koloratursopran gehören in der Oper Partien von u.a. Mozart (Susanna), Rossini (Rosina) und Verdi (Gilda). In Humperdincks "Hänsel und Gretel" verkörperte sie die Gretel sowohl auf der Bühne als auch in einer CD-Einspielung. Nach einem Meisterkurs bei Martha Eggerth und Marcel Prawy war sie in Operettenproduktionen als Adele ("Die Fledermaus"), Postchristl ("Der Vogelhändler") und als Hannerl ("Das Dreimäderlhaus") zu erleben. Ausgedehnte Tourneen führten sie nach Deutschland, in die Schweiz und nach Japan. Kirchenkonzerte mit Arien von Haydn, Mozart und Händel und Liederabende mit Werken von Schubert, H. Wolf und R. Strauss ergänzten die Tätigkeit der Künstlerin, die heuer zum ersten Mal in der Brigittenau zu hören war. (Siehe Artikel)

Julia Fürst ist eine waschechte Wienerin. Nach diversen Sommerkursen und Workshops absolvierte sie ein Studium der Fachrichtung Sologesang am Prayner Konservatorium (u.a. bei Prof. Elsa Kastela-Kreihsl, Andrea Pfeffer und Shu-Ling Yang), wo sie auch Teilnehmerin der Opernschule (Leitung: Prof. Margarita Kyriaki-Wagner und Prof. Maksimilian Cencic) war und seit 2008 auch das Fach IGP Gesang/ Ensembleleitung belegt. Als Mitglied renommierter Chor- und Chorsolistenvereinigungen (u.a. Arnold Schoenberg-Chor, Wiener Akademie und Chorus sine nomine) nahm sie an zahlreichen Festivalproduktionen (Salzburg, Styriarte, Lockenhaus), Tourneen und CD-Aufnahmen teil. Als Solistin erarbeitete sie sich ein umfangreiches Mezzosopran-Repertoire mit Opernarien von u.a. Gluck, Mozart, Bizet und Kienzl sowie Partien in Oratorien und Messen (von Bach bis zur zeitgenössischen Moderne) und außerdem Lieder von Schumann, Brahms und Mendelsson. Zahllose Musicalnummern und Pop-Songs vervollständigen ihre künstlerische Bandbreite. Bei ihrem Debüt in der Brigittenau widmete sie sich erstmals der gehobenen Wiener Musik und dem Chanson.

Margit Fussi, geboren in Baden, absolvierte ihr Klavierstudium (Konzertfach) an der Musikuniversität Wien, wo sie seit 1970 als Professorin tätig ist. Zusätzlich studierte sie das Konzertfach "Orgel" am Diözesankonservatorium Wien. Margit Fussi ist als Klaviersolistin, Klavierbegleiterin von Sängern und Cembalistin tätig. Sie konzertierte in Europa, den USA, Japan, Korea, Argentinien und Taiwan. Dank ihrer großen künstlerischen Erfahrung wurde sie zu vielen Meisterkursen als Pianistin und Liedbegleiterin eingeladen. So z.B. bei Hans Hotter, Kim Borg, Iliana Cotrubas, Robert Holl, Elly Ameling, Graziella Sciutti; Renate Holm u.a. Langjährige künstlerische Zusammenarbeit mit KS Kurt Equiluz als dessen Liedbegleiterin bei Konzerten in Wien, Heidelberg, Stuttgart, Berlin, Osaka, Cleveland u.a. Zahlreiche Liederabende mit verschiedenen Sängern in Korea, Japan, Taiwan, Argentinien und vielen Städten Europas. Ab 1997 Einladung als Dozentin für Liedbegleitung in Tokio, Matsue, Hamamatsu sowie in Seaul und bei den Wiener Musikseminaren. Eine große Anzahl von Einspielungen auf CD sowie diverse Rundfunkproduktionen belegen ihrer künstlerische Vielseitigkeit.

Thomas Schmidt stammt aus Norddeutschland. Nach der Matura studierte er Regie am Max-Reinhardt-Seminar und Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien ( u.a. bei Elfriede Ott und Fritz Muliar) sowie als Aufbaustudium "Musikalisches Unterhaltungstheater" an der Wiener Urania. Außerdem ist er Absolvent des Studiengangs für "Klassische Operette" am Konservatorium. Gesangsstudium bei Vera Nentwich. Engagements führten ihn an verschiedene österreichische, schweizer- und deutsche Theater sowie zum ORF. Daneben musikalisch-literarische Soloprogramme – u.a. beim KulTourSommer des Emslandes und beim IMPULSE-Festival (beides Deutschland) – sowie Auftritte in den Veranstaltungsreihen des im Bösendorfer-Saal, der Kalvarienberg-Kirche, der Wiener Urania und des WienMuseum am Karlsplatz. Gastspiele führten ihn u.a. an das Stadttheater Winterthur (CH). In der "Gesellschaft für Musiktheater" war er mit Liederabenden zu hören. Als Interpret ausgezeichnet mit der "Ehrenurkunde der Internationalen Robert Stolz-Gesellschaft" brachte er u.a. Werke von Charles Kalman, Heinrich Strecker, Leo Fall, Peter Kreuder, Bruno Granichstaedten, Herbert Seiter und Franz Eugen Dostal zur Uraufführung. Für "Allegro vivo" (NÖ) sang er im Dezember 2006 die Uraufführung eines Liederzyklus des zeitgenössischen chinesischen Komponisten Tung Yeung Tsang. Im März 2003 gab er sein Debüt im Wiener Konzerthaus mit dem Franz Lehar-Orchester. Zu seinen Fachpartien als Tenorbuffo gehören der Iwan in Lehárs "Zarewitsch", der Fürst in Ziehrers "Die Landstreicher" und der Josef in "Wiener Blut" von Johann Strauß. Bekannt und beliebt ist er auch als Moderator und Regisseur zahlreicher Operettenkonzerte und Komponistenportraits.
     
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erstellt am 28. 12. 08 © http://www.daswienerlied.at