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Das "Guglhupf Ensemble" beim "Koci"

Sie sind zu sechst und musizieren Wienerisches. Sie haben derzeit etwas mehr als 60 Titel im Repertoire, das von Hermann Leopoldi´s "Ringelspiel" über das das "Fiakerlied" von Gustav Pick bis zu Liedern von Georg Kreisler oder Piron & Knapp reicht, um nur einige zu nennen.

"Herr Karl" Szalay, Nadja "Milli" Milfait, Helmut "Zwe" Rainer, Theo "die Locke" Gaida,
eine "Gastbassisti" und Thomas "the worried man" Hennerfeind

Wir haben diese Formation, wie es oft spielt, einer Laune zu verdanken. Vor etwa fünf Jahren traten die beiden Sänger Theo "die Locke" Gaida und Helmut "Zwe" Rainer mit dem Kapellmeister und Gitarristen "Herr Karl" Szalay auf. Geplant waren zwei Gigs. Aber die Zustimmung des Publikums ließ keine andere Entscheidung zu als die, ganz einfach weiterzumachen. Den Namen hat sich die Gruppe nicht vom typisch Wiener "Napfkuchen", dem "Guglhupf", genommen, sonden vom gleichnamigen Narrenturm im Gelände des alten AKH im 9. Bezirk.

Narrisch sind sie schon irgendwie, die sechs Musiker aus der Leopoldstadt, aber "narrisch guat", wie´s so schön heißt. Und nicht nur die eigenwillige Instrumentierung der Arrangements steht für die eigenwillige Interpetation Wiener Liedguts:

Helmut "Zwe" Rainer und Theo "die Locke" Gaida

bemerkenswert ist jedenfalls, daß sich das Ensemble Guglhupf nach eineinhalb Stunden "Vollgas" mit faszinierender Leichtigkeit – hinter der sich bis zum letzten Ton große Perfektion bis ins Detail versteckt – über Nummern von Georg Kreisler oder Piron & Knapp "wagt". Theo "die Locke" Gaida und Helmut "Zwe" Rainer singen beide, Nadja "Milli" Milfait spielt Cello und ist für die Arrangements verantwortlich, "Herr Karl" Szalay spielt Gitarre und ist der Kapellmeister der Gruppe, Thomas "the worried man" Hennerfeind spielt die Melodie-Gitarre und Katharina "German" Steyrleithner den Contrabass. An dem Abend, als wir das Ensemble Guglhupf im Gasthaus Koci in Inzersdorf das erste Mal erlebten, war Katharina Steyrleithner gerade in Deutschland engagiert, wurde aber von Ihrer Kollegin mehr als würdig vertreten. Auf dem Programm stand echt Wienerisches wie "In Schönbrunn bei die Aff'n", "Schön is so a Ringlspiel", der "Mopedstar", selten Gehörtes wie der "Bundesbahn-Blues" oder der "Jedermann Calipso" (vor allem durch die Interpretation durch Helmut Qualtinger in Erinnerung), das "Tröpferlbad", "Blitzo" und "Camping" von Piron & Knapp, "A schräge Wies'n am Donaukanal", "Bruader, oh Bruader, der Wein is a Luader", oder die "Telefonbuch Polka" und "Gemma Tauben vergiften in Park" von Georg Kreisler, um einige zu nennen.

 

 

 

Franz Sereinig

Anlaß für diesen Abend war übrigens, daß das Ensemble Guglhupf kostenlos auftrat, um die Franziskaner Männergruppe in ihrer Arbeit für Straßenkinder in Rumänien zu unterstützen. Die hatte nämlich zu diesem Abend eingeladen und – anstelle eines Eintritts – um Spenden für ihr Projekt zu bitten. Der Sprecher der Männergruppe, Franz Sereinig, erzählte, er habe – nach seiner Heirat mit einer Donauschwabin aus Satu Mare – mit ihr deren Heimat besucht, wo ihm, nach den desolaten Straßen, sofort die Straßenkinder, die in ebenso desolatem Zustand waren, aufgefallen waren. "Diese Bilder haben mich in meinen Grundfesten erschüttert und nicht mehr losgelassen. So kam auch sehr rasch der Entschluß, etwas Konkretes zu tun", so Sereinig. Nachdem einige bereitwillige Männer gefunden waren und er sein Vorhaben und die dazugehörige Gruppe dem Pfarrer und dem Pfarrgemeinderat vorstellte, mit Benefizveranstaltungen Geld für diese Sache zu lukrieren, wurde er mit einem milden Lächeln als "Träumer" abgetan. Nur: Dieser Traum geht jetzt ins zehnte Jahr! Man hatte sich kurzerhand aus der Pfarre ausgegliedert und machte jährlich ein bis zwei Benefizveranstaltungen, die ausschließlich den mittlerweile zwei Projekten zugute kommen. Seit etwa drei Jahren wird auch in Zusammenarbeit mit dem dortigen Lehrer Nonelito Noel eine Schule auf den Philippinen gefördert. Möglichst vielen Kindern sollen dadurch Schulutensilien und Schulgeldes finanziert werden. "Mir ist schon bewußt, daß es eine Unzahl von förderungswürdigen Menschen weltweit gibt – und es erreichen uns auch immer wieder Anfragen. Es macht aber wenig Sinn, die bescheidenen Mittel, die wir durch unsere Arbeit lukrieren können, breiter zu verteilen. Wir sind aber auch – und vor allem bin ich nach mehreren erheblichen gesundheitlichen Rückschlägen – leider an der Anforderungs- und Belastungsgrenze angelangt", schließt Franz Sereinig, der sich an dieser Stelle noch einmal beim Publikum und beim Ensemble Guglhupf für die Unterstützung bedankt.

 

Theodor "die Locke" Gaida
hat 1961 begonnen, der Menschheit Freude zu bereiten. Bald entdeckte er seine Liebe zur Musik und begann mit 8 Jahren, seine Umwelt mit dem Cellospiel zu "ergötzen". So ging´s zirka 13 Jahre lang und erfolgreich in diversen Orchestern.
Bis zur Matura und kurz danach wuchsen auch auf seinem Kopf auch noch Haare. Der Haarausfall begann mit dem Gesang (Vibration), dem er anfänglich im Kirchenchor und dann für 11 Jahre in der KSGW (Kärntner Singgemeinschaft in Wien) gefrönt hat. Schon während dieser Zeit verstärkt er auch andere Chöre bei Auftritten (Mozart Requiem, Carmina Burana, Te Deum, ...) und tut dies bis heute.


Helmut "Zwe" Rainer
Vom Ensemle ganz vorne hingestellt, weil er der "Goscherte" vom Dienst ist. Nach einem "potscherten" Schauspiel- und Gesangsunterricht hat er das Schlagzeugspiel autodidaktisch erlernt und in einigen Rockformationen in den 70er Jahren getrommelt. Wegen der ersten Verehelichung wurden die Sticks verbrannt und die Schießbude verkauft. Die Scheidung hat ein neues Zeugl, eine neue Combo (Dexter Ace Quartet) und den Hang zum Gesang bei der Band Scope gebracht. Die Schlagzeugerei wurde später dann ganz an die nächste Generation abgegeben und nur noch an vorderster Bühnenfront bei "Hot Lunch", "ZweDeBlues" und den "Ray Pitty Soulers" gesungen. Seine Markenzeichen sind das lachsrosa Bühnen-outfit, der große schwarze Kaffee und Frucade.



Karl "Herr Karl" Szalay
Herr Karl wurde in den 60ern in Wien geboren und wuchs in der Leopoldstadt auf. Mit 7 Jahren lernt er klassische Gitarre, mit 9 Jahren spielt er seinen ersten Klassenabend im Wiener Konzerthaus.
Von Kindesbeinen an trommelt Karl – zum Leidwesen der Eltern und Nachbarn – auf Kindersesseln, Polstern und Möbeln und auf der berühmten Omo-Trommel. Dann kam das erste Schlagzeug, mit 16 Jahren gründet er die erste Band und spielt auf Hochzeiten, Bällen und anderen Festen. Die Gitarre wird dadurch zum Zweitinstrument. Nach dem Schulabschluß hängt er bald seinen Job an den Nagel ("Siemens Lufthacken", so Herr Karl) und startet seine Profi-Karriere am Schlagzeug. An den Drums vom Herbie Smith Department findet man Karl in Vorprogrammen internationaler Größen wie Blood Sweat and Tears, Alvin Lee (Ten Years After), Simon Phillips, Mountain (Leslie West), Willie De Ville, …
Zu heimischen Musik-Kontakten zählen Hansi Lang, Drahdiwaberl, Minisex, Metzlutzkas Erben, Harri Stojka, Victor Adam, Salty Dogz und viele andere. Nach Jahren hat er wieder eine Gitarre gekauft, im Bezirk Theo getroffen und mit ihm die Idee des Ensembles umgesetzt.


Thomas "the worried man" Hennerfeind
Thomas, 1981 als jüngster von drei Brüdern geboren, wuchs in einer recht musikalischen Familie auf. Da er seinen Brüdern – der eine klassischer Pianist, der andere Gitarrist – in nichts nachstehen wollte, mit 10 Jahren begann er mit Gitarrenunterricht. Nach der üblichen Station Schulband und verschiedenartigen Projekten mit Mitschülern kam mit 16 das erste Bluesrock-Projekt "Crossfire". Es folgten diverse Auftritte in Ostösterreich (Bikerfeste, Festivals usw.), 2000 folgte der Einstieg bei der Rockband Scope. Seine bisherigen Auftritte lassen sich nicht mehr zählen, zwei CDs sind bereits erschienen, an der dritten CD wird gerade gearbeitet.
Während der Zeit bei Scope lernte er den "Herrn Karl" kennen. Dieser erkannte sogleich, welches Gitarristentalent ihm da begegnete – über jede beliebige Akkordfolge kann Tommy sofort solieren. Er beherrscht mit hohem technischen Können jegliche Schattierung von lyrisch-melodiös bis rockig-fetzig. Als Meister der musikalischen Improvisation braucht er keine Noten, weil er sich alle Lieder auswendig merkt. Die Guglhupfer schätzen sich glücklich, ihn als Nachwuchstalent an der Melodiegitarre gewonnen zu haben, denn durch sein Spiel klingt ein Lied bei jedem Konzert etwas anders und bleibt dadurch für das Ensemble selbst und auch für die Dauergäste im Publikum spannend.

Nadja "Milli" Milfait
wurde 1970 im Arbeiterbezirk Floridsdorf geboren. Schon als Kleinkind wollte sie immer noch singen – anstatt ins Bett zu gehen. In der Volksschule durfte sie ihre Klassenkollegen regelmäßig mit ihren neuesten Kompositionen auf der Melodica beglücken.
Mit 13 Jahren hat sie sich zum ersten Mal verliebt – in ihren 21jährigen Klavierbegleiter. Das war für sie der erste Ansporn zum Celloüben. So hat sie mehrere Wettbewerbe gewonnen und viel klassische Kammermusik gespielt.
Nach der Matura ist sie auf die Musikhochschule Wien gegangen, wo sie das Konzertfach Violoncello und Instrumentalpädagogik bei Prof. Kühne studierte, dann noch bei Prof. Leopold in Graz. Die ganze Zeit über ist sie mit Judith Pechoc als "The Wild Irish Lasses" aufgetreten. Sie haben 5 CDs aufgenommen (u.a. mit Guest Stars Hans Theessink; David Mosher; Barney McKenna, Eamonn Campbell, John Sheahan & Sean Cannon von The Dubliners), unzählige Konzerte im In- und Ausland (USA-Tourneen) gespielt, und sich in der Folk-Szene eine Namen gemacht. Auftritte gab es etwa mit The Dubliners, Sean Keane, De Dannan, Mitgliedern von The Chieftains, Cris Farlow, Bluespumpen ...
Seit 2003 läuft auch ein Projekt mit Bandleader "Zappa" von der Bluespumpm: neue Aspekte der Improvisation. Das Unwahrscheinliche verbindet sich: Irish & Blues. Sie hat sich immer schon gewünscht, Wiener Musik zu spielen. Und endlich war die Zeit reif dafür: sie wurde eingeladen, beim Guglhupf Ensemble mitzumachen.

Katharina "German" Steyrleithner (von ihr haben wir leider noch kein Foto, da sie an diesem Abend in Deutschland engagiert war, dwl.)
Trotz österreichischer Staatsbürgerschaft wurde Katharina im letzen Jahrhundert in Düsseldorf am Rhein geboren. Lange Jahre verdiente sie ebendort und auf Tourneen ihren Lebensunterhalt in diversen Ensembles. Zunächst mit der Geige, was aber irgendwann zu leicht und zu unkompliziert im Transport, aber vor allem zu hoch im Klang war, weshalb die Zuneigung zum Bass immerfort größer wurde. In Deutschland waren vor allem Symphonien und Opern am Programm, aber auch viel Barockmusik, die ihr Herz noch immer höher schlagen läßt.
Vor ein paar Jahren in die österreichische Heimat übersiedelt, absolvierte sie das Studium der (Musiktheater-) Regie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien.
Nach einigen erfolgreichen Inszenierungen, unter anderem im Schlosstheater Schönbrunn mit der Uraufführung von Gernot Schedlbergers "Die Geschichte des Picando", führte ihr Weg ins Wiener Urania Puppentheater/ Kasperl und Pezi, wo sie als Puppenspielerin und Sprecherin arbeitet.

 

 

 

Ein fröhlicher und beschwingter Abend braucht einen ebensolchen Abschluß

 

 

 

Informationen: http://www.zwejazz.at/

 

 

 

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erstellt am 20. 06. 08 © http://www.daswienerlied.at