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"S´ ist schaurig, aber wahr"

Schauderhafte Moritaten und ergreifende Küchenlieder zur moralischen Erbauung und pädagogischen Abschreckung wurden in der "Beethoven Gedenkstätte" in Floridsdorf dargeboten von Konstanze Lack (Sopran), Anita Tauber (Sopran) und Thomas Schmidt (Tenor). Am Klavier begleitete Karl Macourek.
Karl Macourek, Konstanze Lack, Thomas Schmidt und Anita Tauber

Karl Macourek, Konstanze Lack, Thomas Schmidt und Anita Tauber

Das allseits beliebte – klassische – Wienerlied ist nicht die einzige Liedform, die das Herz so richtig zum Schwingen bringen kann. Die aktuelle Episode der Reihe "Musikalische Erinnerungen" (Konzept: Thomas Schmidt) widmete sich diesmal, in der "Beethoven Gedenkstätte" in Floridsdorf – der sträflich vernachlässigten Gattung der Moritat und ihrem parodistischen Gegenstück, dem Küchenlied.

Mit charmanter Moderation führte Sänger und Schauspieler Thomas Schmidt durch den Abend, der die historische Entwicklung dieser "Kleine Leute"-Musik von ihren Anfängen bis zur heutigen sogenannten Volksmusik unterhaltsam beleuchtete.
Konstanze Lack und Thmoas Schmidt 

Konstanze Lack und Thmoas Schmidt

Die Stückauswahl war gut getroffen, denn bei den teilweise beschwingten, teilweise melancholischen Balladen handelt es sich fast ausschließlich um Ohrwürmer, die dem Publikum mit Sicherheit im Gedächtnis bleiben werden – auch wegen der durchgängig hohen gesanglichen Qualität.


 
 

Anita Tauber (l.) und Konstanze Lack


Im Programm befanden sich, unter anderem, solche musikalische Leckerbissen wie "Zerdrück die Träne nicht" oder "Die treue Liebe ist kein leerer Wahn", die von den drei jungen Gesangeskünstlern allesamt mit einem liebevollen Augenzwinkern interpretiert wurden. So erzählt jedes Lied eine eigene kleine Geschichte; wir treffen auf Verliebte, Verlassene und selbst auf Verstorbene. Tenor Thomas Schmidt beweist in Solopartien, Duetten und Terzetten sein hochkomisches Talent.

Seine Kolleginnen, die Sopranistinnen Anita Tauber und Konstanze Lack, schlüpften derweil in die Rollen von Dienstmägden, Gärtnerinnen oder leichten Mädchen.

Die Darbietungen waren flott und einfallreich, streckenweise sogar sehr anrührend inszeniert. So wurde während der Küchenlieder ein Kuchen gebacken, die Wäsche zum Trocknen aufgehängt – und ach – so viel geseufzt, daß es schon herzerweichend war (ganz besonders bezaubernd: Anita Taubers Version des "Rehleins"). Und so manche Moritat entführte uns in ein verwunschenes Schloß inklusive Spukgespenst oder gar auf den Friedhof. Zu einigen Liedern durfte dann auch beherzt mitgeschunkelt und -gesungen werden.

Die meisten Arrangements des Abends stammen aus der Feder des bekannten Komponisten Edmund Nicks (1891–1973), Schöpfer etlicher Lieder, Bühnen- und Filmmusiken. Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang die souveräne Klavierbegleitung von Karl Macourek. Wenn man den Abend eine Vorhaltung machen muß, dann vielleicht, daß er viel zu schnell vorbei war. Alles in allem eine musikalische Entdeckungsreise mit sehr hohem Unterhaltungswert.

Stephan Lack

Alle Fotos: Stephan Lack    
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erstellt am 30. 05. 10 © http://www.daswienerlied.at