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Musikalische Erinnerungen an
Theo Ferstl und Norbert Pawlicki

Unter dem Motto "Verlieb dich in Wien" wurde in der Beethoven-Gedenk- stätte in Floridsdorf im Rahmen der Wiener Bezirksfestwochen Theo Ferstl und Norbert Pawlicki gedacht, der beiden Großen der Wiener Musikszene. Mit dabei waren Azura Koyama, Sigrid Wilhelm und Thomas Schmidt – begleitet hat Karl Macourek am Klavier.

Karl Macourek, Azura Koyama, Sigrid Wilhelm und Thomas Schmidt (v.l.)

Am Sonntag, dem 1.Juni, pilgerten wir nach Floridsdorf in die Jeneweingasse, in der sich die wunderschöne Beethoven-Gedenkstätte befindet. Der festliche kleine Saal mit seinen goldenen Sesseln mit roten Bezügen, die große Beethovenbüste in der Ecke der Bühne, das schöne Klavier, das alles verströmte eine sehr feierliche Atmosphäre. Bereits zum fünften Mal bestritt Thomas Schmidt in diesem Haus seine Konzerte, die nicht mehr unter uns weilenden Künstlern gewidmet sind.

Diesmal war dieser Ehrenabend den beiden Großen der Wiener Musikszene Theo Ferstl und Norbert Pawlicki gewidmet. "Verlieb dich in Wien…" lud in diese Aera ein und es war ein wunderschöner und auch köstlich unterhaltsamer Abend. Begrüßt wurden die Gäste von Eva Krapf vom Verein der Freunde der Beethoven-Gedenkstätte Floridsdorf, sie ist Direktorin der "Kooperativen Musikmittelschule" in Wien 3 und unterrichtet vorrangig Musik.

Thomas Schmidt leitete den Nachmittag mit den sehr zutreffenden Worten ein: "Die beiden Professoren Ferstl und Pawlicki waren Allrounder in der Aera der Rundfunk-Hochkultur, in der auch das Radioprogramm noch zur Alltagskultur gehörte, mit dem Gottesdienst begann und mit der Bundeshymne endete." Die drei jungen Künstler Sigrid Wilhelm (Sopran), Azusa Koyama (ebenfalls Sopran) und Thomas Schmid (Tenor) ließen durch ihren Vortrag viele Erinnerungen wach werden und Karl Macourek begleitete souverän am Klavier.



Eva Krapf bei der Begrüßung
Zu jedem Liedvortrag gab es kleine nette sehr rasch abgewickelte Kostümierungen, eine bewundernswerte Leistung da das Programm sehr zügig über die Bühne ging. Thomas Schmidt erzählte zwischendurch über das Leben und Schaffen von Ferstl und Pawlicki und das so anschaulich, daß man sich in diese Zeit zurück versetzt fühlte und alles miterleben durfte.

Wir wollen alle vorgetragenen Musikstücke anführen und vielleicht rufen sie bei manchem ein wehmütiges Lächeln der Erinnerung an diese Zeiten hervor.

Theo Ferstl: "Ein kleiner Musikus"-Tango, "Kleines Tangolied", "Montevideo"-Lied und Beguine, "Der himmelblaue See"-Lied und Tango, "Bei der Zenzi wird fest g´jodelt"-Lied und Bauernfox, "Peter"-Lied und Foxtrot, "Küsse, die man nie vergisst" Walzer, "An der Seine" Klavier-Solo nach "Ein Chanson aus Paris"-Tango und "Madame"-Foxtrot, arrangiert von Karl Mazourek, "Abends in der Dämmerstunde"-Lied und Slowfox, "Sternen-Romanze"-Vocalise in Slow für Koloratur-Sopran, dies war im Original für Trompete und Orchester zu hören. "Der alte Tegetthoff am Praterstern" Wienerlied, "Das Lied vom Würstelmann"-Wiener Genrelied und "Verliebt sind wir beide in dich" Foxtrot.

Theo Ferstl (18.6.1910 – 5.6.1981) lebte in Wien und war ein vielseitiger Künstler: Trompeter, Arrangeur, Komponist und Kapellmeister. Nach dem Studium am Konservatorium in Wien (Violine, Zither, Trompete) wurde er vom Orchester Charly Gaudriot engagiert in der RAVAG, so hieß seinerzeit der österreichische Rundfunk. 1939 ging er nach Berlin und war während des Krieges Arrangeur des "Deutschen Tanz-und Unterhaltungsorchesters". Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er in Österreich ein eigenes Ensemble (Solotrompete und Streicher) und hatte im Rundfunk seine eigenen Sendung "Abends in der kleinen Bar". Weiters war er auch für das Fernsehen tätig. 1974 wurde er mit dem Professor-Titel ausgezeichnet und arbeitete weiterhin in der Unterhaltungs- und Tanzmusik und in der Wienerliederszene. Auch der Filmusik galt sein Schaffen.

Nach der Pause gab es dann ein Wiederhören mit den Liedern von Norbert Pawlicki: "Es blüht schon der Flieder" - Walzer, "Verlieb dich in Wien" - Walzerlied, "Ein Bankerl im Grünen" - Walzer, "Es ist wunderbar" - Lied und Foxtrot, "Wenn zwei sich verstehen" - English Waltz, "Ich bin am Sonntag immer so gern allein" - Chanson, "Fingerspitzeleien" - Valse musette für Klavier, "Was tun die Franzosen am liebsten?" - Couplet, "Mein 1,2,3,4,5,Sex-Appeal" - Lied und Swing, "Zu Gast in Wien" - eine Wienerlied-Melodienfolge, "Wien-Im Stadtpark", "Warum is' mei' Wohnung von Grinzing so weit?", "Die kleine Allee im Park von Schönbrunn", "Was weißt denn du!", "Wo einst ein Park war" und, zum Schluß, die "Traummännlein-Melodie" der damals bekannten und beliebten Sendung, die jedes Kind kannte: "Das Traummännlein kommt".

Auch Norbert Pawlicki (4.3.1923 – 15.7.1990) lebte in Wien. Er wirkte als Pianist, Komponist und Kapellmeister und nahm bereits im 6.Lebensjahr Unterricht für Klavier und für andere Instrumente, bereits im Alter von 10 Jahren entstanden seine ersten Kompositionen. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium studierter er dann bis 1949 Komposition bei A. Uhl und Dirigieren bei H. Swarowsky an der Wiener Musikakademie und schloß 1950 mit Diplom ab. Er war Kapellmeister an verschiedenen Bühnen, u. a. im Ronacher, danach beim Rundfunk als musikalischer Leiter von über 10.000 Sendungen. Als Pianist begleitete er Stars wie Maria Andergast, Paul Hörbiger, Hans Moser sowie die beliebten Sendungen von Maxi Böhm, Karl Farkas, Heinz Conrads u.v.a. Als Dirigent gestaltete er Johann Nestroy-Aufführungen mit. Mit großen Ehrungen wurde er für sein vielseitiges Schaffen ausgezeichnet. 1966 erhielt er den Titel Berufstitel "Professor", 1971 "Den Hut vom lieben Augustin", 1973 Das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, 1984 Die Silberne Medaille des Wiener Männergesangvereins und die Ehrenmedaille in Gold der Stadt Wien und 1989 Das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und den Nestroy-Ring.

Ehrengäste dieses Abends waren Theo Ferstl's Tochter Tina Steinbauer und ihr Lebensgefährte Prof. Helmuth Froschauer und beide freuten sich sehr über diese lieben Erinnerungen und den schönen Vortrag. Die beiden Söhne von Norbert Pawlicki Andreas und Peter konnten aus beruflichen Gründen nicht an diesem Konzert teilnehmen doch bedankten sie sich mit einem herzlichen Brief.

Im September 2008 gibt es dann, nach der Sommerpause, den nächsten Gedenkabend in der Beethoven-Gedenkstätte mit Anita Schadlbauer, Thomas Schmidt und Karl Macourek: er ist dem Textautor und Musiker Josef "Pepi" Kaderka gewidmet.

 
Sigrid Wilhelm


Sigrid Wilhelm
Die in Villach geborene Kärntnerin wuchs in Seeboden am Millstätter See auf, wo sie auch ihre musikalische Grundausbildung an der Musikhauptschule erhielt. Sie bekam Unterricht in Klavier - und Gitarrespiel und nahm bis zur Matura am BRG Klagenfurt/Viktring als Ensemblemitglied und Solistin an zahlreichen Projekten der Schulchöre und verschiedener Volksmusik-Formazionen teil. Am Koservatorium Klagenfurt erfolgte der erste Gesangsunterricht, den sie seit 2004 in Wien bei der Staatsopernssängerin Mihaela Ungureano fortsetzt. Im Sommer 2007 besuchte sie erfologreich den Meisterkurs für Gesang bei KS Ildiko Raimondi und bei Prof. Margit Fussi im Rahmen der Altenburger Sommerakademie (Stift Altenburg, N.Ö.). Im Repertoire der jungen Koloratursopranistin finden sich Lieder und Arien von Bach, Händel, Haydn und Schubert neben geistlichen Werken wie den Sopranpartien in Mozarts "Krönungsmesse" und Beethovens "C-Dur-Messe". In der Opernliteratur erarbeitete sie sich Arien aus Werken von Mozart, Rossini, Domizzeti, Verdi u.a., im Bereich Operette Einzeltitel von J.Strauß, Georg Jarno und Leo Ascher.
     
Azusa Koyama


Azusa Koyama
Die aus Osaka (Japan) stammende Sopranistin absolvierte zunächst ein Studium an der Sakuyo-Musikuniversität in Okayama (Gesang/Opernstudium). In Wien setzte sie ihre Ausbildung am Franz Schubert-Konservatorium fort sowie ab 2001 am Prayner Konservatorium für Musik und Darstellende Kunst in der Fachrichtung Sologesang bei Prof. Petja Grigorova-Dimitrov. Paralell dazu belegte sie die Opernschule des Prayner Konservatoriums bei Prof. Maximilian Cencic (musikalische Leitung) und Prof. Margarita Kyriaki-Wagner (Szenische Leitung). Beide Studienfächer schloss sie 2005 bzw. 2007 mit Diplom ab. Bei int. Sommerakademien nahm sie an Meisterkursen u.a. KS Ildiko Raimondi, Mitsuko Shirai und Hartmut Höll sowie von Prof. Ellen Müller-Preis (Atem-und Bewgungslehre) teil. Zu ihrem Repertoire als lyrischer Sopran gehören Partien in Werken von Gluck (Euridice), Mozart (Susanna, Despina, Zerlina) und Humperdinck (Gretel) sowie Lieder von Haydn, Schubert, Brahms u.a. Nach diversen Bühnenproduktionen im Rahmen von Sommerfestspielen und Opernschule tritt sie seit April 2008 als Operetten-Interpretin in Erscheinung.
 
Thomas Schmidt


Thomas Schmidt
Der aus Norddeutschland stammende Sänger und Schauspieler studierte am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und am Konservatorium der Stadt Wien, wo er auch den Studiengang für klassische Operette absolvierte ( weiterführende Studien bei Vera Netwich). Sein Repertoire umfasst Opernarien und Lieder (u.a. von Mozert, Schubert, Wolf-Ferrari) und reicht von Fachpartien der "goldenen" und "silbernen" Operette über die frühe und die moderne Chansonliteratur bis zum zeitgenössischen Komponisten. Ausgezeichnet mit der "Ehrenurkunde der Internationalen Robert Stolz - Gesellschaft brachte er Werke von Charles Kalman, Heinrich Strecker, Leo Fall, Bruno Granichstaedten, Franz Eugen Dostal und - im September 2005 in der Beethoven - Gedenkstätte - von Peter Kreuder zur Uraufführung.Nach Konzerten mit Werken von Hans Weiner-Dillmann, Gerhard Winkler, Herbert Seiter, Erich Benedini und Sepp Fellner trat er heuer zum fünften Mal in der Beethoven - Gedenkstätte auf.
 
Karl Mazourek


Karl Macourek
Der gebürtige Wiener erhielt seine Ausbildung zum Korrepetitor und Liedbegleiter von renommierten Dozenten der Wiener Musikhochschule und des Konservatoriums der Stadt Wien. Die Bandbreite des pianistischen Allrounders umfasst von der Wiener Musik über Operette und Musical bis zum Jazz nahezu alle Sparten der gehobenen Unterhaltungsmusik. Als gefragter Klavierbegleiter mit Konzertauftritten im In-und Ausland ist er seit Jahren fester Bestandteil der Wiener Musikszene, so konzertiert er regelmäßig im Jüdischen Museum in Wien und ist Teil des Pianisten-Ensembles in der aktuellen Burgtheaterproduktion "Über Tiere" (Elfriede Jelinek). Im September 2005 erschien seine Solo CD "Thinking about Mozart" und in der Beethoven-Gedenkstätte war und ist er wiederholt mit Soloprogrammen und als Begleiter zu erleben.
 

Theo Ferstl's Tochter Tina Steinbauer und ihr Lebensgefährte Prof. Helmuth Froschauer

Alle Fotos: daswienerlied.at/HSK  

HSK

     
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erstellt am 29. 06. 08 © http://www.daswienerlied.at