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"Wiener Spezialitäten" in der Königseggasse

Die Vereinigung "Das Wienerlied" hat das neue Jahr mit einem bunten Reigen eingeleitet. Mit dabei: Prof. Hermi Lechner, Prof. Sieglinde Michalko, Hofrat Prof. Franz Zodl, Prof. Leopold Großmann und "Das Wienerlied"- Obmann Prof. Walter Heider
     

"Fünf auf einen Streich": Prof. Walter Heider, Prof. Hermi Lechner, Hofrat Prof. Franz Zodl, Prof. Sieglinde Michalko und Prof. Leopold Großmann (v.l.n.r.)

Die Vereinigung "Das Wienerlied" hat ihre Heimat nach ein paar Jahren – wieder – im Haus der Begegnung Mariahilf in der Königseggasse (eigentliche Adresse ist die Otto Bauer-Gasse) gefunden. Der Verfasser dieser Zeilen weiß von diesen "Wurzeln" nur aus Erzählungen und hat die Vereinigung erst in der Längenfeldgasse kennengelernt. Am Samstag, dem 15. Jänner 2006, war dann sozusagen die dwl-Premiere (dwl ist daswienerlied.at), die – unserem Empfinden nach – für künstlerische Veranstaltungen wie diese Wienerlied-Nachmittage ein wesentlich ansprechenderes Ambiente bietet, wie der große Theatersaal in der Längenfeldgasse. Man fühlt sich irgendwie heimeliger, ist näher bei den Künstlerinnen und Künstlern, ist nicht zu Gast, sondern einfach dabei. Bei dieser Gelegenheit sei aber erwähnt, daß Veranstaltungen, wie etwa die "Große Festakademie" zum 95. Geburtstag von Karl Wagner und zum 60. Geburtstag von Prof. Marika Sobotla (12. März 2006, 15 Uhr) weiterhin im Theater Längenfeldgasse stattfinden werden!
 

Ideal für gemütliche Wienerlied-Veranstaltungen: der große Saal im
Haus der Begegnung Mariahilf in der Königseggasse

Dieser Wienerlied-Nachmittag war irgendwie anders, als die bisher von uns besuchten. Und das war nicht nur auf die "neue" Umgebung zurückzuführen, sondern auf die Gestaltung: So teilten sich Prof. Hermi Lechner und Prof. Walter Heider, beide solistisch und im Duell begleitet von Prof. Leopold Großmann, das Programm mit einem Gast, den halb Österreich aus dem Fernsehen kennt: Hofrat Prof. Franz Zodl, dem "Fernsehkoch der Nation". Nun ist es ein wenig schwierig, hier von alten Zeiten zu sprechen, ohne in einem Atemzug einzugestehen, daß sich die Zeiten halt einfach ändern, daß Idole von früher einem großen Teil der jüngeren Generation absolut nichts sagen – ausgenommen natürlich die, deren Berühmtheit durch Fortsetzung von Tätigkeit und Schaffen in die nachfolgenden Generationen sozusagen "hinüberstrahlen". Einer von denen ist Prof. Franz Zodl, der, wenn man seine Stimme hört, so etwas wie einen Fernsehapparat im Unterbewußtsein einschaltet und man sich der vielen noch in schwarz-weiß ausgestrahlten Kochsendungen "Häferlgucker" im ORF erinnert. Der Verfasser dieser Zeilen ist sich sicher, daß es wohl all den Anwesenden im Saal des HdB ebenso ergangen ist.

Verstärkt hat dies der in Wien und wohl fürs Kochen geborene Franz Zodl noch durch die Auswahl seiner Lieder, die – welch große Überraschung – sich meist um Essen, dessen Zubereitung und Verzehr und – mit dem G‘frett mit dem Abnehmen befaßten (war es Zufall oder nicht? Auch Prof. Hermi Lechner widmete sich diesem Thema, Tochter Renate Lechner ihrer Mutter ein "Kur"-Gedicht. Doch davon etwas später). Aber nicht nur, denn Zodl brachte auch ein Lied zu Gehör, das ihm die Witwe des 1981 in Baden verstorbenen Komponisten Heinrich Strecker geschenkt hat: "Wenn ich mit mir allein bin…" Prof. Zodl beeindruckte mit seinem Witz, seinem natürlichen Humor und mit der spürbaren Freude, seinem Publikum etwas Besonderes bieten zu können.

Prof. Franz Zodl begann seine lange berufliche Laufbahn 1958 mit einer Zuckerbäckerlehre in der Konditorei Rötzer in Mödling und konnte schon drei Jahre später eine Kochlehre im weltberühmten Hotel Sacher antreten. Schon zwei Jahre später, 1963, wurde er als Jungkoch ins hochkarätige Team aufgenommen.
     

Der Wienerlied-singende "Koch der Nation", Hofrat Prof. Franz Zodl

1975 wechselte der damals stellvertretende Küchenchef ins "Club Hotel Baden", wo er zwei Jahre als "Chef de cuisine" tätig ist. Als er dann wenig später als Sous-chef im "Restaurant Leupold" die Gäste verwöhnt, hat er bereits – sozusagen nebenbei – eine zweite Karriere begonnen: als Vertragslehrer im Bundesdienst. Er durchläuft alle notwendigen "Stationen" der Lehrerausbildung, die er als Fachlehrer mit Lehramtsprüfung für den gewerblichen Unterricht an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen abschließt. Bis 1984 ist Zodl Vertragslehrer an der Fremdenverkehrsfachschule "Modul", daneben Kursleiter im


Hofrat Prof. Franz Zodl und Karl Wagner, dessen 95.Geburts- tag am 13. März von der Vereinigung "Das Wienerlied" im Theater Längenfeldgasse gefeiert wird.
Gastronomischen Institut, Mitglied der Prüfungskommission und Vorsitzender bei Lehrabschlussprüfungen für Köche, Vortragender im WIFI bei Konzessionsprüfungskurs, seit 1984 – bis jetzt – Direktor der Gastgewerbefachschule Wien und Prüfungsvorsitzender für Abschlussprüfungen (HBLA und Tourismusschulen).

So viele Leistungen werden aber (meist) auch "von oben" gewürdigt, so wurde Franz Zodl 1996 der Berufstitel des "Professors" verliehen, 2002 folgte der Beruftstitel "Hofrat". So "zwischendurch" hat ihn der "Verband der Köche Österreichs" zum Präsidenten erkoren, seit 2002 ist er "Conseiller Culinaire National d'Autriche" (ein Titel, der ihm von "Confrérie de la Chaîne des Rôtisseurs" verliehen wurde, einer Vereinigung, der Ludwig IX., genannt der Heilige, im Jahr 1248 den besten Köchen das Recht gab, sich zu einer organisierten Gemeinschaft zusammenzuschließen).

Zum Wienerlied kam Zodl übrigens, wie er dem Touristik-Fachmagazin "Rolling Pin" erzählte, daß er einmal Schauspieler werden wollte, was aber neben der Arbeit im "Sacher" keinen Platz hatte.


Begleitete Zodl: Prof. Sieglinde Michalko
Erst durch seine Tätigkeiten im Fernsehen sei dies wieder wachgeküßt worden. "Eines Tages habe ich das Schlusslied vom Seniorenklub gesungen, später dann bei einer Faschings- und Muttertagssendung." Dann habe er Blut geleckt und nach einigen Jahren ergab sich durch Zufall sein Mitwirken bei Matineen – die erste mit Elfriede Ott! (Das komplette Interview mit "Rolling Pin" können Sie hier lesen).

Begleitet wird Hofrat Prof. Franz Zodl übrigens von Prof. Sieglinde Michalko, die seit ihrem 5. Lebensjahr Klavier spielt. Sie hat das Wiener Musikgymnasiums und anschließend ein Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien absolviert (Klavier: Prof. Hilde Langer-Rühl, Cembalo: Prof. Isolde Ahlgrimm, Orgel: Hofrat Mag. Friedrich Lessky). Schon früh widmete sie sich der Korrepetition und Begleitung, so ist sie langjährige Korrepetitorin der Wiener Singakademie (Chor des Wiener Konzerthauses ) und Begleiterin der Liedklasse von Prof. Eric Werba. Prof. Sieglinde Michalko ist eine gefragte Begleiterin großer Sängerpersönlichkeiten und Instrumentalsolisten, die auf zahlreiche Konzerte im In- und Ausland, auf Rundfunk- und Fernsehaufnahmen sowie Mitwirkung bei verschiedenen Meisterkursen verweisen kann. Derzeit ist sie als Klavierlehrerin sowie als Organistin der Deutschordenskirche in Gumpoldskirchen bei Wien und als Chorleiterin des Atzgersdofer Männergesangsvereins 1880 in Wien tätig. Und eben "im Dienste des Wienerliedes" mit dem Wienerlied-Sänger Hofrat Prof. Franz Zodl.
 

"Wenn i mei Leb‘n so betracht‘" – Prof. Hermi Lechner und Prof. Walter Heider singen im Duett

Wie oben bereits kurz angesprochen, widmeten sich auch Prof. Hermi Lechner und deren Tochter Renate dem Thema Essen. Nein, eigentlich eher mit den Folgen, ging es doch in Lied- und Gedichtzeilen mehr um das oft vergebliche Bemühen, ungewollte Kalorien (klingt doch besser als Kilo?) wieder loszuwerden. Lesen Sie also hier "Die Fledermaus" von Renate Lechner.
     

Schlußlied für fünf Professoren: Prof. Sieglinde Michalko, Prof. Leopold Großmann,
Prof. Walter Heider, Prof. Hermi Lechner und Hofrat Prof. Franz Zodl (v.l.n.r.)



Prof. Leopold Großmann
Prof. Hermi Lechner, wie allseits bekannt, ist als Präsidentin des VOET (Verband Österreichischer Textautoren) selbst Textautorin und Sängerin, erzählte, sie käme eben erst von einem Winterurlaub mit ihrer Tochter Renate zurück und würde mit ein wenig Übergewicht kämpfen, was sie mit einem Liedtext so formulierte: "… nur wea z´fäu zum Fressen is, verliert sei G‘wicht". Gewichtig, aber stimmgewichtig ging es dann weiter im Programm, die beiden Professores Lechner und Haider stimmten in ein Duett ein: "Wenn i mei Leb‘n so betracht‘".

Am Flügel begleitete, wie gewohnt, Prof. Leopold Großmann, der es in der "Königseggasse" wohl um einiges leichter hatte bzw. haben wird: Der schwarze Yamaha-Stutzflügel scheint nahezu neu zu sein, was dem hervorragenden Pianisten wohl einiges an körperlicher Anstrengung ersparen dürfte. Mit ähnlicher Leichtigkeit ging dann das Schlußlied "über die Bühne": Sängerin und Sänger verabschiedeten sich mit einem gemeinsam gesungenen Lied, am Klavier Prof. Sieglinde Michalko und Prof. Leopold Großmann, diesmal vierhändig.
   

MM

Quellen: Gastgewerbeschule des Schulvereins der Wiener Gastwirte
             Musikschule Gumpoldskirchen
             Baillage National d´Autriche
     
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erstellt am 21. 01. 06 © http://www.daswienerlied.at