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"Wiener Lavendel" – eine Hommage an Anton Krutisch

Auch wenn sich sein Geburtstag schon vergangenes Jahr zum 85. Mal jährte, hinderte das nicht, ihm eine Hommage zu widmen: dem viel zu früh verstorbenen Anton Krutisch. Mischa Fernbach hat mit Rudi Luksch ein wunderbares Programm zusammengestellt und im "Schmid Hansl" einem begeisterten Publikum vorgestellt.

Prof. Dany Siegl, Mischa Fernbach, Maria Krutisch und Elisabeth Strobl

Es war eine hervorragende Idee, Anton Krutisch eine Hommage zu widmen. Jenem Autoren, dessen Gedichte und Geschichterln in Wienerlied-Veranstaltungen so oft vorgetragen und vom Publikum auch so gerne gehört werden. Selbst, wenn es etwa um "Die Banane" geht, die man (als fleißiger Veranstaltungsbesucher) beinahe schon selbst auswendig rezitieren


Ernst Stankovski
Foto: epro-entertainment
könnte. Die Wortwahl ist so trefflich, daß sie eigentlich immer wieder Spaß bereitet. Apropos auswendig: Selbst für einen Schauspieler ist eine große Leistung, einen ganzen Abend Krutisch-Texte vorzutragen, dazwischen auch noch Wienerlieder zu singen. So mit Rudi Luksch geplant und aufgeführt von Mischa Fernbach, der am Abend des 13. Jänner 2007 mit einer Hommage an den Mundartdichter begeisterte.

Mischa Fernbach ist in Schauspiel, Tanz, Gesang und Musik ausgebildet und seit 1979 am Stadttheater St. Pölten, Volkstheater Wien, Theater in der Josefstadt, Theater an der Wien, Theater der Jugend, in Linz, Graz, Villach, sowie an Theatern in Deutschland und der Schweiz engagiert. Auch Rollen in verschiedene Sommertheater wie Berndorf, Kobersdorf, Altenburg oder das deutsche Bad Kissingen reihen sich in seine Vita. Engagements in Kino- und Fernsehfilmen und -serien trugen zu seiner Bekanntheit nicht unwesentlich bei. So war er im "Schlosshotel Orth", "Medicopter", "Bockerer" III und IV, in "Der Winzerkönig" und anderen zu sehen. Darüberhinaus geht er mit Wienerlied-, Chanson- u. Kabarett-Programmen auf Tourneen und war über sechs Jahre hindurch künstlerischer Leiter und Regisseur des Sommertheaters Mödling.

Doch zurück zum aktuellen Abend: Im vollbesetzten Konzertcafé Schmid Hansl lauschten nicht nur Schauspielerin Prof. Dany Siegl, sie ist die Mutter von Mischa Fernbach, sondern auch Ernst Stankovski (viele erinnern sich gerne an seine Fernsehsendung "Erkennen Sie die Melodie", die mit einer Unterbrechung von 1969 bis 1985 ausgestrahlt wurde; feierte kürzlich sein 60jähriges Bühnenjubiläum und steht aktuell im Theater an der Josefstadt/Kammerspiele mit Renate Holm auf der Bühne). Auch Schauspielerkolleginnen und -kollegen von Mischa Fernbach waren gekommen.

Besonders freute sich die "Krutisch-Fangemeinde" darüber, daß dessen Witwe, Maria Krutisch, und die Witwe nach dem berühmtesten der "Drei Spitzbuam" Toni, Elisabeth Strobl, gekommen war. Er hat ja Anton Krutisch und dessen feinsinnige Texte immer sehr geschätzt und gefördert. Und wer "ohnhin immer da" ist, wird üblicherweise zuletzt genannt: Prof. Norbert Leser, nicht nur Professor für Gesellschaftsphilosophie an der Universität Wien, sondern auch ausgesprochener und "bekennender" Wienerlied-Freund.
 

Mischa Fernbach und Rudi Luksch

Anton Krutisch wurde am 2. Mai 1929 in Wien-Meidling geboren. Seine Jugend verbrachte er hauptsächlich in der Umgebung des Meidlinger Marktes, wo er auch die Volks- und Hauptschute besuchte.

1937 begann er eine Lehre bei einer Bau- und Galanteriespenglerei, die er . als Angehöriger des Reichsarbeitsdienstes abschloß – er wurde 1940 dazu als "kriegsverwendungsfähig" herangezogen. Er hatte zwar den Gesellenbrief erworben, sollte diesen Beruf aber niemals ausüben. Er mußte in den "aktiven Dienst" wechseln und kam an der Ostfront zum Einsatz, wo er kurze Zeit später schwer verwundet wurde: Sein linker Unterschenkel mußte amputiert werden.

1943 wurde er dann aus dem Deutschen Heer entlassen. Aufgrund seiner Verletzung konnte er in seinem erlernten Beruf als Spengler nicht mehr arbeiten. Er verdiente dann seinen Lebensunterhalt bei verschiedenen Firmen, war als Buchhalter tätig, stieg zum Büroleiter auf und war für Personalangelegenheiten zuständig, bis er schließlich bei der Sozialversicherungsanstalt eine Anstellung fand.

Am 4. Dezember 1954 heiratete er in Margareten seine Frau Maria, die später immer wieder als "Mitzerl" in seinen Gedichten vorkommt.

Sein Hobby war das Schreiben. Nebenberuflich schrieb er Glossen, Kurzgeschichten und Sportberichte. Als begeisterter Fußballfan, sein Lieblingsklub war "Wacker", schrieb er Feuilletons und Artikel für Sportzeitungen und wurde in die Fachgruppe "Sportjournalisten" aufgenommen. Seine Liebe galt jedoch nicht nur dem Fußball, sondern vor allem dem Wienerlied. 1950 wurde er auch Obmann des Geselligkeitsvereins "D'guaten Weana" und blieb dies bis zu seinem Tod.

Erst knapp vor seinem 50. Geburtstag begann Anton Krutisch, Mundartgedichte zu schreiben – angespornt von seiner Frau und Freunden.

Sein Vortragstalent erlaubte es ihm, bei verschiedensten


Anton Krutisch-Autogrammkarte mit einer Widmung seiner Witwe, Maria Krutisch, die an diesem Abend zu Gast war
Foto: privat
Veranstaltungen als Conferencier aufzutreten – und so konnte seine eigenen Gedichte vortragen.

Seine dem Leben abgeschauten Szenen finden bei allen Schichten der Bevölkerung Anklang. Der "Spitzbub" Toni Strobt holte Toni Krutisch zu seinen "Altspatzen" nach Grinzing, Heinz Conrads lud ihn in seine beliebte Fernsehsendung "Guten Abend am Samstag" ein. Damit hatte Anton Krutisch den Durchbruch geschafft.

Er besprach vier Langspielplatten mit seinen Gedichten und es erschienen ebenso viele Bücher im Mohr-Verlag mit Zeichnungen von "Emil":

"Wiener Lavendel" 1976
"Kraut und Ruam" 1977
"Ka Bam wachst in Himmel" 1979 und der Sammelband
"Wiener Lavendel" 1985

Krutisch schrieb auch die Texte zu einer Reihe von Wienerliedern:
"Was du amal versamt hast",
"Ka Bam wachst in Himmel",
"Weil mei Wirt die Gripp' hat",
"Wir fahren zur WM",
"Anuschka",
"Wo Tauben san" u.v.a.
   

In Würdigung seiner besonderen Verdienste um das Wienerlied und die Wiener Volkskunst wurde Anton Krutisch am 9. Oktober 1977 die "AugustinPlakette" zuerkannt. Fünf Tage vor seinem Tod verlieh der Vorstand der Vereinigung "Das Wienerlied" Anton Krutisch die "Große Wienerlied- Plakette". Am 19. September 1978 starb er nach kurzem, schwerem Leiden im 58. Lebensjahr.

Die wenigen Jahre, in denen er Gedichte schrieb, ließen ihn durchaus an jenen Wiener Kreis herankommen, zu dem Josef Weinheber, H.C. Artmann, Georg Strnadt und Trude Marzik gehören.

Anton Krutisch gehört zu jenen Heimatdichtern, die das Wienerische, mit dem spezifischen Eigenleben des Bezirksdialektes in seinen Gedichten bevorzugte. Er machte das "Meidlingerische" populär und erhob es über das Vulgäre des gesichtslosen Jargons. Er lebte in der Nähe des Meidlinger Marktes, einer idealen Gegend für den scharfen Beobachter. Zusammen mit seinem Feingefühl für die Sprache ergab sich eine nahezu ideale Kombination: seine Phantasie und sein Talent nützend, konnte er die kleinen Dinge und Erlebnisse des Alltags in Verse fassen. Sie sind liebenswürdig, lebensnah, aber auch urwüchsig, aber nie gewöhnlich. In seinem Bestreben, die Menschen zu unterhalten, hält er ihnen einen Spiegel vor. Mit dem herzlichen Lachen verbinden sich jedoch Ironie und Besinnlichkeit. Nostalgisch werden Zusammenhänge aufgezeigt, die einen betroffen zum Nachdenken anregen.

Kaspapier
So hab i auf an Kaspapier
immer mir notiert,
was so in der nächsten Näh
rund um mi passiert.
Wia i mi so umgschaut hab,
was a jeder macht,
hab i beim Beobachten
oftmals richtig glacht.
Aber aa so etliches
Hab i mir beguckt,
was mi daun beim Niederschreim
hat a bisserl druckt

Ka Bam wachst in' Himmel
Ka Bam wachst in' Himmel und ka Mensch wird zu groß,
wird er z'groß, schmeißt eahm 's Schicksal von sein' hohn Roß.
Es is schon so ein'teilt, und des is gar net schlecht:
Gar ka Bam wachst in' Himmel, wann 's a mancher gern mecht!

Wienerisch
I bin, wia i bin, und i red, wia i red,
gaunz egal, was de Leit von mir denken,
ob eahna des g'fallt, des kümmert mi ned,
es tuat ma ja kaner was schenken.

I bin, wia i bin, und i änder mi ned,
und i laß mi durch nix irritiern,
denn so, wia i täglich mei Wienerisch red,
brauch i mi dafür ned scheniern.

     
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Fotos: daswienerlied.at

     

erstellt am 24. 01. 07 © http://www.daswienerlied.at