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Cremser Selection beim "Schmid-Hansl"

Nach einem sehr erfolgreichen "Heimspiel", Cremser Selection präsentierte die zweite CD zuerst in Krems, füllte die Einladung zur Präsentation mit Gabriele Schuchter in Wien das Konzert-Café "Schmid-Hansl".
     

Stimmungsvoll, wie kaum ein anderes: das Konzert-Café "Schmid Hansl"

Im Herbst 2001 fanden sich vier klassisch ausgebildete Musiker zusammen: die Sopranistin Monika Smetana, die Flötistin Regina Stummer, die Geigerin Eva Sattler und der Kontragitarrist und Weinbauer Peter Rauscher. Ihnen liegt die Musik um Wien, die Wachau und den Wein besonders am Herzen: Wien als Heimat, als Studienort, als Stadt, die pulsiert und eine Vielfalt an Klängen und Kulturen vereint, die Wachau als Heimat, als Ausflugsziel, als musikalisches Betätigungsfeld und schließlich der Wein, den wir nicht nur gern trinken, sondern der auch unter Mithilfe der drei Musikerinnen in Peters Weingarten und -keller entsteht. Die Hauptarbeit macht natürlich er, aber beim Abfüllen in Flaschen zu Ostern (morgendlicher Schwips garantiert) und beim Lesen (der Weinernte) dürfen sie helfen.

Durch die Besetzung mit Flöte, Geige und Kontragitarre erhält die Wiener und Wachauer Musik eine feine kammermusikalische Note. Die
Cremser Selection war 2005 bei den beiden Wienerliedfestivals "Wean hean" und "Wien im Rosenstolz" zu hören. Im Dezember folgten Auftritte im Fernsehen bei der Sendung "Echt Wienerisch", im Mai und Juni 2006 stehen zahlreiche Auftritte bei den Wiener Bezirksfestwochen auf dem Programm.

Nun ist bei "Fairies Music" die erste CD der Cremser Selection erschienen:
"Weinberl & Zibeben"
Wien
Die "Stadt der Lieder" ist weithin berühmt als fruchtbarer Boden für Musiker. Das gilt nicht nur für die Hochkultur, sondern auch für die Volksmusik Aus allen Himmelsrichtungen strömten Anfang des 19. Jahrhunderts Zuwanderer nach Wien. Der oberösterreichische Ländler wurde in diesem multikulturellen Kessel chromatisch und harmonisch gewürzt, die typische Besetzung mit zwei Geigen und einem Bassettl (einer etwas kleineren Bassgeige) gefiel dem Publikum in den Wiener Gasthäusern. Bald spielte man statt dem Bassettl die leichter zu transportierende Kontragitarre. In dieser Besetzung musizierte zum Beispiel Josef Lanner, einer der Begründer des Wiener Walzers.
Ursprünglich wohl getanzt, bezeichnen die "Tanz" (wie in Oberösterreich ist das die Mehrzahl) später die zu Herzen gehende Instrumentalmusik zum andächtigen Zuhören. In ihnen spricht "der Übermut, die Frohnatur, die oft umwölkte Schwärmerei und bald wieder herausjauchzende Hellsinnigkeit des Wiener Gemütes" (Neues Wiener Tagblatt am 7. Oktober 1883).

Die Brüder Josef (1852 - 1895) und Johann (1850 - 1893) Schrammel verschrieben sich der Pflege dieser "Weaner Tanz". In der Vorstadt Neulerchenfeld geboren, die Eltern musikalisch, besuchten beide das Konservatorium und studierten Geige bei Georg Hellmesberger, Johann auch Gesang. Ab 1878 spielten sie mit Anton Strohmayer im Nußdorfer Terzett beim Heurigen und wurden rasch zu einem der bekanntesten und beliebtesten Volksmusikensembles Wiens: "Da wird mit einem Fiedelbogen auf den Resonanzboden einer Geige dreimal geklopft. Drei Zauberschläge. In einem Nu ist der Lärm verstummt, eine heilige Ruhe herrscht in dem Saal, der plötzlich in eine Kirche umgewandelt zu sein scheint und aller Augen sind nach dem Podium gerichtet, auf welchem drei Männer sitzen. Zwei legen den Bogen auf die Saiten, der dritte hat die Finger auf den dicken Leib der Gitarre gelegt, das sind die Schrammeln. Da gibt es keine Claque, keine bezahlten Applaus-Fabrikanten, keine befreundeten Stimmungs-Erzeuger, da gibt es nur Verehrer und - Fanatiker; ja, es gibt förmlich Schrammel-Fanatiker, die ernstlich bös werden können, wenn jemand während der Produktion mit dem Sessel rückt oder ein lautes Wort spricht. Und wir begreifen es. So süß, so innig, so rein im Ton spielt niemand die lieben Volksmelodien als diese drei Leute, es ist der anheimelnde Wiener Dialekt der in Noten gesetzt aus den "Winseln" der Schrammel´schen Brüder und der "Klampfen" Strohmayers zu uns spricht." (Extrablatt am 7. Oktober 1883).

Erst später ergänzte Georg Dänzer mit seinem picksüßen Hölzl (die hohe G- Klarinette) das Terzett zum Schrammelquartett, so feierten die Schrammeln Erfolge im In- und Ausland.
1888 gab Johann Schrammel 3 Bände mit "Alten österreichischen Volksmelodien (von 1800 - 1860) heraus, "um sie meinem lieben Vaterlande für ewige Zeiten zu erhalten."


Ab 1890 verlegte sich das Repertoire der Schrammeln aber von den alten Tanz auf Novitäten: "Das Publikum will nur Neues". Johann und Josef Schrammel hinterließen mehr als 250 Werke.
Philipp Fahrbach junior (1843 - 1894) vertritt eine andere Seite der Volksunterhaltung: die Militärmusik. Auch er wurde ins Wiener Musikleben hineingeboren und spielte schon mit 5 Jahren Geige in einer Harfenistengesellschaft. Nach dem Tod seines Vaters - dem Wiener Hofballkapellmeister - übernahm er dessen Kapelle und feierte mit ihr vor allem in Paris bei der Weltausstellung 1878 große Erfolge. Die Polka française "Im Kahlenbergerdörfl" erinnert an die schönen Stunden, die er dort in der Villa seines Vetters verbrachte.
   

Regina Stummer, Eva Sattler, Monika Smetana und Peter Rauscher
Das Foto hat uns – dankenswerterweise – Brigitte Zaczek zur Verfügung gestellt

Wachau
Die Wachau ist in der ganzen Welt wegen ihrer zauberhaften Landschaft und wegen ihres besonders milden Klimas bekannt. Dort wachsen herrliche Marillen, köstlicher Wein reift an den sanften Hängen. Von der UNESCO wurde die Wachau zum Weltkulturerbe erklärt. Die reiche musikalische Tradition dieser Gegend kennen allerdings fast nur die Einheimischen.
Die Donau schlängelt sich von Melk weg an Spitz, Weißenkirchen und Dürnstein vorbei. Schließlich kommt man zur schönen Stadt Krems. Das Schiff legt jedoch in Stein an. Früher war es eigenständig, sein Reichtum war vor allem durch das Salz begründet.

Hier wohnte und wirkte Prof. Ernst Schandl (1920 - 1997). Seine musikalische Ausbildung erhielt er im Stift Zwettl, im Stiftsgymnasium Melk und an der Wiener Musikakademie. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Lehrer und Chorleiter, sondern auch ein Musiker aus vollstem Herzen. Von unzähligen Stücken und Liedern konnte er den Text, die erste und zweite Geigen- sowie die Akkordeonstimme auswendig spielen - zum Glück aber nicht die der Kontragitarre! So wurde Peter gebeten, sich mit diesem Instrument auseinanderzusetzen. Das Lied "Zwischen Krems und Stein" komponierte Ernst Schandl im Alter von 16 Jahren.

Franz Mestl (1879 - 1946) war hingegen ein geborener Kremser. Nur zum Studium - Violine und Klavier - ging er nach Wien, nach Krems zurückgekehrt, gründete er ein Salonorchester, ein Streichquartett und eine Klavierverleihanstalt. Er unterrichtete als Musiklehrer und untermalte die Stummfilme im Filmtheater musikalisch mit seinem Ensemble.

"Der Hofrat Geiger" (1947) ist einer der unsterblichen Filme mit Paul Hörbiger und Hans Moser. Ein zwangspensionierter Wiener Hofrat erfährt, dass er eine erwachsene Tochter mit seiner Jugend- und Urlaubsliebe "Mariandl" hat. Er besucht sie endlich wieder in Spitz, und die fast vergessene Liebe wird durch Singen neu belebt. Hans Lang (1908 - 1992) veröffentlichte rund 1000 Lieder und vertonte außer dem "Hofrat Geiger" unter anderem die Filme "Lumpazivagabundus", "Der Herr Kanzleirat", "Der alte Sünder" und "Hallo, Dienstmann".

Wein
Natürlich werden im Wienerlied auch andere Themen besungen - da geht's um die goldene, g´miatliche Zeit, in der alles noch viel schöner und besser war, um das wunderbare Wiener Herz, um die Stadt der Träume, um die Fiaker und Wäschermädeln. Dennoch: Der Wein übt auf uns eine besondere Anziehungskraft aus. Immerhin hat er Bestand (so wie die schönen Maderln), ist unser allerbester Freund, ja, sogar ein Stück vom Himmel liegt bei ihm unter der Erde im Keller, begleitet von Schinkenbein und Geselligkeit.

Rund 300 Weinlieder sind in Wien bekannt (was für eine Fülle an Möglichkeiten für weitere Konzertprogramme und CDs...). Die meisten sind mit der Vortragsbezeichnung "innig" überschrieben, und die dritte Strophe erzählt häufig vom allerletzten Schwips.

Ludwig Gruber (1874 - 1964) ist in Lerchenfeld geboren, besuchte das Wiener Konservatorium und wurde Kapellmeister in Karlsbad und Ungarn. Als "ernster" Komponist schrieb er Klavierwerke und Symphonien, großen Erfolg hatte er aber mit seinen Singspielen, Couplets und Wiener Liedern. Sein Ruhm drang bis Albanien. 1914 bat ihn der albanische Regent um eine Hymne für sein Land, ein Projekt, das sich leider zerschlagen hat.

Auch Heinrich Strecker (1893 - 1981) studierte Musik, Violine und Klavier in Aachen. Seine erste Komposition im Alter von 16 Jahren war ein Klavierkonzert. Nach dem ersten Weltkrieg verlegte er sich aber auf die Unterhaltungsmusik, er komponierte unzählige Wiener Lieder, volkstümliche Singspiele und Operetten. "Ja, ja der Wein ist gut" ist ein besonders inniges Lied nach einer alten Volksweise.

Der "Mann der 1000 Melodien" Robert Stolz (1880 - 1975) wurde erst von seinem Vater, später von Robert Fuchs und Engelbert Humperdinck musikalisch ausgebildet. Als Dirigent schon erfolgreich, legte ihm Johann Strauß persönlich ans Herz, sich der Wiener Musik zu widmen. Sein Heurigenmarsch "Jung san ma! Fesch san ma!" stammt aus einer seiner 27 Operetten: "Reise um die Erde in 80 Minuten". Weiters komponierte er eine Oper, 20 Musicals, 1200 Lieder und die Musik zu über 100 Filmen.

Ein Lied, das bei keinem Konzert der Cremser Selection fehlen darf, ist Josef M. Kratkys "Kellerpartie". Nach seinem Studium an der Wiener Musikakademie war Kratky (1901 - 1975) hauptsächlich als Alleinunterhalter in Wiener Lokalen tätig. Erich Meder hat hier einen Text verfasst, bei dem das Herz jedes Winzers freudig hüpft: Nach der Erkenntnis, dass ein Weinkeller ein Wohltätigkeitsinstitut ist, bedauert man jeden ungelöscht verloren gegangenen Durst.
 

Monika Smetana

     
Lesen Sie hier einen älteren "dwl"-Bericht, in dem Sie auch mehr über die Musikerinnen und den Musiker erfahren.
     
http://www.8ung.at/cremser_selection/
http://members.aon.at/prauscher/


Kontakt: Ursula Schipfer
Telefon: 01/714 43 78 oder 0676/433 11 62
E-Mail: f.schipfer@gmx.at
   
     
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erstellt am 25. 05. 06 © http://www.daswienerlied.at