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Festakademie im
Theater Längenfeldgasse
am Sonntag, den 14. November 2004

     
Jeder Anlaß ist gut, um eine Veranstaltung des Vereines "Das Wienerlied" zu besuchen – die monatlich im "Theater Längenfeldgasse" im 12. Wiener Gemeindebezirk abgehalten werden. die "Vereinsnachmittage" werden hier zu einer Starparade der Wienerlied-Interpretinnen und Interpreten. Also, kurz gefragt: wo sonst, wenn nicht hier? Doch zurück zu dem Nachmittag des Jahres.
     
Gefeiert wurden die beiden Jubilare, Prof. Gerhard Track und Prof. Walter Heider, "einzeln" und ausgiebig und schon vor geraumer Zeit, sind doch beide, mit zehn Jahren Differenz, im September auf die Welt gekommen: Track 1934, Heider eben 1939. Für ein gemeinsames Geburtstagsfest gab es – so hörte man – keine freien Termine, sodaß mit einiger Verspätung zwar, aber dafür umso intensiver, sprich musikalischer, die Festakademie in der Längenfeldgasse die Feierlichkeiten würdig abschloß.
   

Der Vorhang öffnete sich und die Malat Schrammeln leiteten mit ihrem Entré in die Moderation über, die H.P.Ö., Heider Poldi Österreich, in – gewohnt – lockerer, humoristischer Weise übernommen hatte. H.P.Ö. begrüßte die vier Schrammler Paul Filz an der Ersten Geige, an der Zweiten Geige Thomas Kröger, an der Kontragitarre Edi Reiser und an der Alt-Wiener Knopfharmonika Prof. Rudi Malat.

Dann begrüßte H.P.Ö. Prof. Gerhard Track, den Präsidenten des Vereines "Das Wienerlied", und dann, wie er sagte, "den Mann, dem vor 14 Tagen vom Bundespräsidenten den Professor-Titel verliehen wurde" und ihn von Unterrichtsministerin Elisabeth Gerer überreicht bekam": seinen Bruder, Walter Heider. Und es wäre nicht H.P.Ö., hätte er seinen Bruder Walter nicht gefragt: "Aber ich darf schon weiter ,du‘ sagen?"

Leider waren ein paar der geladenen Künstler ausgefallen, wegen Grippe und anderer Unbill des sich bereits heftig abzeichnenden Winters. Das machte auch Walter Heider zu schaffen, der mit einer veritablen Verkühlung, dafür aber mit zwei Enkerln in die Längenfeldgasse gekommen war. Wie aber H.P.Ö. erklärte, sei sein Bruder schließlich einer der beiden Geehrten und könnte sich deshalb auch ausrasten, sich "ansingen lassen". Auch fand sich ja spontan Ersatz für die ausgefallenen Kolleginnen und Kollegen, H.P.Ö. machte aber vorerst noch ein Geheimnis daraus, wen das p.t. Publikum nun anstelle derer erwarten könnte.
   

Wie angekündigt und erwartet eröffnete Rita Krebs den Lieder-Reigen mit Franz Lehars "I bin a Wiener Kind, so wias im Biachl steht" (liebe Leserinnen und Leser, verzeihen Sie, daß wir mit dem Wienerisch-Schreiben nicht so geübt sind). Das zweite Lied stammt aus der Feder von Prof. Leopold Grossmann, der einen Großteil des Nachmittags "arbeitend" am Flügel verbrachte: "Goldene Tage, herrliche Zeit". Der dritte Titel nutzte die hochkarätige Begleitung der Malat Schrammeln: "Drum Schrammeln, tuat‘s uns net verlassen"
   

Nach einem Intermezzo aus seinem Buch "Die Heider-Familie und andere Geschichten" kündigte H.P.Ö. einen Sänger an: "Er und ich, wir sind die schönsten zwei Männer beim Wienerlied. Er und ich. Begrüßen Sie also mit einem donnernden Applaus: Peter Rosen!" Der freute sich, an diesem Nachmittag, an dem zwei so große Persönlichkeiten geehrt werden würden, dabei sein zu können. Und meinte, "es wird jetzt ganz schön einsam für uns, hier heroben. Alle bekommen einen schönen Titel, und stehen da und haben keinen. Vielleicht bekomme ich einmal den Titel, den Walter Heider bisher gehabt hat: ,Kammerlsänger des Wienerliedes‘. Ein paar Ableger muß er mir ja geben!" Nach dieser humorvollen Einleitung intonierte Peter Rosen einen Klassiker, der wohl auf der ganzen Welt bekannt ist. Wenn auch nicht unter dem Original-Titel "Wien, du Stadt meiner Träume", sondern unter "Wien, Wien nur du allein". Natürlich begleitet von Prof. Leopold Grossmann am Flügel. Das zweite Lied, das Peter Rosen für diesen Anlaß ausgesucht hatte, hat schon Peter Minnich für Menschen gesungen, die – im nicht mehr ganz jugendlichen Alter – ein wenig ins Grübeln kommen, "über die Zeit früher nachdenken", die auch schön war: "Wo ist die liebestolle Zeit" aus Cole Porters "Kiss me Kate".
   

Als nächster Programmpunkt folgte eine Darbietung vom "Trio Wien". Wie H.P.Ö. erzählte, waren die Drei abends zuvor in München aufgetreten und sind noch in der Nacht von dort nach Wien zurückgefahren. Wegen massiven Schlechtwetters verzögerte sich die Fahrt, sodaß Fredi Gradinger (Akkordeon), Franz Horacek (Bass) und Hans Radon (Gitarre) erst um 6 Uhr früh in Wien ankamen. Ein paar Stunden Schlaf – und dann sofort in die Längenfeldgasse, um mit "Na, der Himmelvater der vergißt di net" ein Geburtstagsständchen zu beginnen. Dann folgten "Da Mond und die silbernen Sternderln" und "Vom Wienerwald zum Palmenstrand", zu dem Fredi Gradinger Text und Musik geschrieben hat.
   

Dann kündigte H.P.Ö. eine junge Wienerlied-Interpretin an, die "eine wunderschöne Stimme hat". Gemeint war Elisabeth Wolfbauer, die zwei Lieder vortrug: "Vom himmlischen Behagen", das zweite hieß "I bin a Madl von aner anderen Rass".  
   

Dann wäre Walter Heider an der Reihe gewesen, war aber, wie gesagt, wegen einer Erkältung nicht in der Lage zu singen. "Also haben wir",  so H.P.Ö., "jemanden angerufen, der sofort zugesagt hat, um einmal auf so einer großen Bühne stehen zu dürfen. Begrüßen Sie mit einem donnernden Applaus: Richard Pöttschacher!" Der feiert übrigens im Dezember dieses Jahres seinen 100. (!) Geburtstag. "Servas alle", begrüßte Pöttschacher das Publikum, und gab mit "hau eine" seinem Begleiter am Flügel, Prof. Leopold Grossmann, ein eher ungewöhnliches Zeichen zum Einsatz zum ersten Lied: "Da hab i dann mei Ruah". Dann folgten das Schubert-Lied "Gute, alte Zeit" und "Schön wars einmal in Wien". "Walter, du bist mein bester Freund - ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag" lauteten die Wünsche des "jungen Mannes" Richard Pöttschacher.
     
Für die erkankte Emmy Denk war dann – gerne, wie sie sagte – Terimi Shima eingesprungen, die zwei Lieder vortrug: "Sei mir gegrüßt, mein Wien" von Prof. Gerhard Track und als zweites ein Stück von Prof. Ernst Track, dessen Vater: "Grüß mir die Donau".
     
Dann ergriff Jubilar Prf. Gerhard Track das Wort und erklärte – mit humorvollen Worten –, warum er und Prof. Walter Heider gemeinsam Geburtstag feiern: beide sind nämlich am 17. September auf die Welt gekommen. Track meinte, es könne reiner Zufall gewesen sein, "vielleicht waren aber auch unsere Eltern gemeinsam weg". Und Track weiter: "Walter war ja eigentlich der Reserve-Sohn von meinem Vater, der ihn, so kann man sagen, gewissermaßen entdeckt und immer mit ihm gearbeitet hat. Ich war ja immerhin 28 Jahre lang mit meine Frau und unseren Kindern in Amerika, und da hat Walter mit meinem Vater gesungen." Als "kleines Geburtstagsgeschenk" an Heider überreichte Track die erste der soeben in Amerika erschienenen CDs mit dem Titel "On a lighter sight". Zu hören sind darauf eigenen Werke von Track. Und mit dabei: Walter Heider.

Nun aber richtet sich Track in seiner Eigenschaft als Präsident der Vereinigung an Heider: "Der Vorstand der Vereinigung ,Das Wienerlied‘ hat einstimmig beschlossen, seinem langjährigen Obmann und Wienerlied-Sänger, Herrn Walter Heider, für seine besonderen Verdienste um das Wienerlied zu seinem 65. Geburtstag ein Ehrengeschenk zu überreichen", und übergab seinem Freund und Kollegen eine Urkunde und eine Johann-Strauß-Medaille.

Bei dieser Gelegenheit übergab H.P.Ö. seinem Bruder Walter nocheinmal die Ernennungsurkunde zum "Berufstitel Professor", die, nach Entscheidung des Bundespräsidenten, dem Geehrten vor kurzem durch Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer in deren Amtsräumen dem "Kulturvermittler" Walter Heider verliehen wurde.

Dann gab es noch einen Überraschungsgast, der sich mit einem Gedicht an das Geburtstagskind Walter Heider wandte: der Autor Felix Kerl. Wir zitieren:
     

Lieber Walter!

Nun hat man dich auch auserkoren
zum Ehrenstand der Professoren.
Dazu sag ich ganz klipp und klar,
daß dieses längst schon fällig war,
Denn Du hast Dein ganzes Leben
dem guten Wienerlied gegeben,
selbst als Du krank, mit starkem Schmerz,
sangst Du für uns mit G‘fühl und Herz.
Hast immer ernsthaft, einst und jetzt,
Dich kraftvoll dafür eingesetzt,
daß unser Wienerlied besteht
und aufwärts, und nicht untergeht.
Dies kann nur zur Erkenntnis führen,
Dir herzlich heut zu gratulieren.
Bleib weiter Wienerlied-Gestalter –
auch als Professor Heider – Walter.

     
Walter Heider, "Professor" Walter Heider, dankte Felix Kerl, aber auch seinem Bruder, der "heute meine Aufgabe übernommen hat". Er ließ es sich aber nicht nehmen – mit deutlich rauher Stimme – die Ehrung von Prof. Gerhard Track zu vorzunehmen: "Der Vorstand der Vereinigung ,Das Wienerlied‘ hat einstimmig beschlossen, seinem Präsidenten, dem Komponisten und Kapellmeister Prof. Gerhard Track, für seine besonderen Verdienste um das Wienerlied zu seinem 70. Geburtstag das ,Relief vom Fenstergucker‘ zu verleihen." Der Geehrte antwortete mit einem Wunsch, der nur vollinhaltlich unterstützt werden kann. Track: "Es möge das Wienerlied weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der Wiener Kultur bleiben. Ob es hier in Wien ist, bis hinaus in die weite Welt, nach Amerika, bis Japan, Australien. Und wenn Sie alle mithelfen, dieses Wienerlied zu unterstützen", dann brauche man keine "Angst ums Wienerlied" haben, wie es in einem Text von Josef "Pepi" Kaderka heißt: "I hab ka Angst ums Wienerlied".
     
Nach einer Pause übernahm das Orchester Prof. Franz Bilek das Entré zum zweiten Teil der Festakademie im Theater Längenfeld. Seit 1965 spielte Bilek mit seinem Orchester für sechs Bürgermeister der Stadt Wien, er spielt bei Empfängen und Veranstaltungen im In- und im Ausland, die ihn von Peking bis Moskau, von Los Angeles nach Dubai, sogar bis in den Oman führten. Er spielt bei Kongressen, Feierstunden, bei Goldenen Hochzeiten im Festsaal des Wiener Rathauses. Über Anregung von Prof. Gustl Zelibor (viele kennen ihn als den "Gustl" am Flügel in den überaus beliebten Sendungen des Heinz Conrads") gründete Bilek im "neuen Medium Fernsehen" 1956 die "Schönbrunner Schrammeln", mit denen er über Jahre bei Conrads und auch in vielen anderen Sendungen gespielt hat. Bei unzähligen Veranstaltungen begleitete er Publikumslieblinge wie Peter Alexander, Erich Kunz, Elfriede Ott, Fritz Muliar, Hermann Leopoldi und viele andere. Und er war in der letzten Schallplattenaufnahme mit Hans Moser und Paul Hörbiger im legendären "Austrophon-Studio" mit dabei. In einem für die Wiener Festwochen erarbeitetes Programm "Das Wienerlied einst und heute" präsentierte er Stars wie Fredi Gradinger und Walter Heider.
     
Und im zweiten Teil der Festakademie begleitete Prof. Fanz Bilek mit seinem Orchester: Prof. Marika Sobotka, die sich sogleich den zahlreichen Gratulationen anschloß. Bevor sie ihr erstes Lied sang, stellte sie noch etwas fest: "Früher hatten wir zum Walzer-Schreiben die Strauss-Dynastie. Wissen Sie, wen wir heute haben? Professor Leopold Grossmann! Und der hat einen Walzer geschrieben, der einer kleinen Liebeserklärung an Wien gleichkommt: "Wer den Zauber der Stadt dort am Donaustrom und den Quell der Musik noch nicht kennt …" Das zweite Lied widmete sich einer Instution, die zu Wien gehört wie der Stephansdom und der Prater: "A Fiaker g‘hört halt zu Wien". Das dritte Lied leitete Prof. Marika Sobotka mit nachdenklichen Worten ein: "Wenn Sie Radio oder Fernsehen einschalten, hören Sie auf der ganzen Welt nur schlechte Nachrichten. Und, ich glaube, da hat Gerhard Track ein sehr aufrüttelndes Lied geschrieben: ,Diese Welt wär so wunderschön‘".
   

Dann stand das "Trio Wien" noch einmal auf dem Programm und bot dem Publikum etwas besonderes: Wie Fredi Gradinger erklärte, standen sie wenige Stunden vor einem großen Auftritt in Köln, wohin sie am darauffolgenden Montag fliegen würden. Nach einiger Überlegung hatten sich die drei Musiker entschieden, und brachten als zweiten Programmpunkt eine "Generalprobe" für den Auftritt in der Rheinmetropole. Doch damit nicht genug. Es war mit den Kölner Gastgebern vereinbart, daß jede der beiden Gruppen ein Lied der anderen Stadt zu singen hatte. Na, werden sie jetzt fragen, na und? Die Raffinesse bestand darin, daß jeweils auch der Dialekt zu übertragen war: Trio Wien sang also ein kölsches Lied auf Wienerisch, die Kölner sangen ein Wienerlied auf Kölsch. Und wie das klang, läßt sich leider nicht brauchbar beschreiben. Der interessierte Leser kann sich aber sicher eine Vorstellung davon machen, was dem vollbesetzten Theatersaal dann geboten wurde. Diese brillante Darbietung schloß das "Trio Wien" mit einem Potpourrie ("Der alte Sünder", "Der dritte Mann", Horst Chmela‘s "Vogerl am Bam").
     
Für Sangeslust, die auch auf das Publikum übergriff, sorgte dann Prof. Franz Bilek mit der eindeutigen Aufforderung zum Mitsingen: "Ja wir san halt Lichtenthaler". Die rege Beteiligung mit vielen – fast ausschließlich richtigen – Stimmen brachten H.P.Ö. dann auf die Idee, in Anlehnung an die "Fischer-Chöre" doch "Heider-Chöre" ins Leben zu rufen.
     
Dann kündigte H.P.Ö. eine "junge Dame" an, die "ich schon über 50 Jahre kenne" (Originalton): seine "kleine Schwester Christl Prager". Mit dem Lied "I muaß alle Tag mei Weanaliad hearn" ihren Part an der Dopper-Geburtstags-Festakademie einleitete. Begleitet wurde sie dabei vom Orchester Prof. Franz Bilek, wie auch beim zweiten Lied mit dem Titel "Jessas, Kinda, kost‘s den Wein". Als das Publikum vehement eine Zugabe forderte, erklärte H.P.Ö., daß Christl Prager weitersingen würde. Nur diesmal von ihrem langjährigen Begleiter Herbert Schöndorfer auf der Harmonika. Die Ansage des ersten Titels "Kinder, wegen mir braucht‘s ka Trauer tragen" ergänzte Herber Schöndorfer gleich mit "Weg‘n mir a net".
     
Dann erfüllte H.P.Ö. einen Wunsch seines Bruders und imitierte – perfekt wie immer – mit dem "Kleinen Lausbuben" den legendären "Schmied-Hansl". Wer den nicht gekannt hat, wußte nun, wie es zu dieser Legende gekommen ist.
     
Als letzten Solo-Programmpunkt brachte dann Christl Prager dann einen "Gassenhauer" aus der Feder von Josef "Pepi" Kaderka: "Zimmer, Kuchl, Kabinett". Gemeinsam mit dem Publikum stimmten die Künstler dann auf die Verabschiedung ein: "Wer ka Herz für d‘ Musi hat" und "Sag beim Abschied leise servus" wurde vom Orchester Bilek begleitet. "Happy Birthday to you" ließ einen fulminanten Nachmittag ausklingen. Schade, daß Sie nicht dabei waren!
     

Wir haben 12 Bilder von der Festakademie mitgebracht.
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P.S.: Wienerisch Reden und Wienerisch Schreiben sind zwei Paar Schuh‘ – wir sind für jede Korrektur dankbar!

     
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erstellt am 28. 11. 04 © http://www.daswienerlied.at